Zum Hauptinhalt springen

Brüsseler Spitze: EU im Wettfieber

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Top-Favoriten sind Van Rompuy und Miliband. | Schüssel, Gusenbauer und Plassnik gelistet. | Blair, Juncker, Lipponen überschätzt. | Brüssel. Das Rennen um die neuen EU-Topjobs beschäftigt die Buchmacher. Für die drei großen Internet-Wettbüros Bwin, Paddypower und Ladbrokes sind die Favoriten sonnenklar: Neuer EU-Ratspräsident wird der belgische Premier Herman van Rompuy.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 14 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Setzt man auf den, bekäme man im Falle seiner Kür für jeden Euro nur noch zwischen 1,5 und zwei Euro retour. Als EU-Außenminister schien der britische Ressortchef David Miliband noch sicherer: 1,1 Euro beim irischen Anbieter Paddypower hätte ein Euro Einsatz gebracht; die Briten von Ladbrokes nahmen bereits keine Wetten mehr an. Bwin hat den EU-Außenminister nicht im Programm.

Tatsächlich gelten die beiden Kandidaten auch in Brüssel als die derzeitigen Top-Favoriten. Über das Wochenende gibt es aber wohl noch hektische Verhandlungen des schwedischen Premiers und amtierenden EU-Vorsitzenden Fredrik Reinfeldt mit Berlin, Paris, London und der sozialdemokratischen Verhandlergruppe, der auch Bundeskanzler Werner Faymann angehört. Laut einer ungeschriebenen EU-Regel ist es gefährlich, zu früh als alleiniger Spitzenreiter genannt zu werden. Denn am EU-Sondergipfel könnte immer noch ein Überraschungskandidat gekürt werden.

Gewisse Chancen für den Job des Ratspräsidenten hat bei den Buchmachern weiterhin der niederländische Premier Jan Peter Balkenende (1:6 bis 1:8), der schon als Favorit gegolten hatte. Bevor durchsickerte, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy offenbar eine gemeinsame Vorliebe für Van Rompuy hegen, hatte dieser noch eine Quote von 1:34. Weiter im Rennen ist der österreichische Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, den Paddypower mit 1:10 an fünfter Stelle führte und Ladbrokes mit 1:11 wie Bwin mit 1:15 am sechsten Platz. Letztere sahen die Chancen für den Österreicher aber gegen Wochenende scheinbar steigen, noch am Donnerstag lag die Quote bei 1:21.

Ansonsten tummeln sich unter den Anwärtern mit den niedrigsten Quoten - also hohen Chancen aus Sicht der Buchmacher - durchaus Kandidaten, die aus Brüsseler Sicht so gut wie keine Aussichten mehr auf den Chefsessel des EU-Rats haben. Da ein Schwarzer Ratspräsident werden soll, fallen der britische Ex-Premier Tony Blair (1:5 bis 1:9) und der frühere finnische Ministerpräsident Paavo Lipponen (Bwin 1:7, Ladsbroke 1:9) praktisch aus.

Die Außenseiter

Heitere Angebote für Außenseiterwetten: Frankreichs greiser Ex-Präsident Jacques Chirac und der frühere deutsche Kanzler Gerhard Schröder mit 1:101 bei Bwin; Tschechiens Ex-Präsident Vaclav Havel mit der gleichen Quote oder die ehemalige österreichische Außenministerin Ursula Plassnik mit 1:67 bei Ladsbroke.

In der Verfolgergruppe um den ersten EU-Außenminister geben die Buchmacher dem früheren österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Plassnik ähnliche Chancen wie Schüssel auf den Ratspräsidenten. Bei Paddypower liegt Gusenbauer mit 1:10 an vierter Stelle ex aequo mit dem deutschen Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der französischen Finanzministerin Christine Lagarde. Plassnik rangiert knapp dahinter. Ladsbroke gibt Gusenbauer mit 1:13 Platz neun, schätzt aber eine EU-Außenministerin Plassnik mit 1:11 als wahrscheinlicher ein. Auf Sichtweite zu Miliband ist auf beiden Wettplattformen noch der ehemalige italienische Außenminister Massimo D'Alema (1:4 und 1:7). Den könnte Premier Silvio Berlusconi sogar anstatt seines Günstlings Antonio Tajani nach Brüssel schicken. So hätte er den linken Hoffnungsträger aus Italien weggelobt, wäre das Kalkül.

Doch bei den neuen Mitgliedsländern regt sich gegen Massimo D'Alema vor allem wegen seiner kommunistischen Vergangenheit bereits heftiger Widerstand.