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Brustveränderungen: Kein Anlass zur Panik

Von Hans-Dieter Viering

Wissen

In mehr als 90 Prozent aller Fälle, in der Frauen wegen Beschwerden ihrer Brust zum Gynäkologen gehen, handelt es sich um gutartige Veränderungen. Über die | Diagnose und Therapie dieser Erkrankungen sprach Hans-Dieter Viering mit Oberarzt Dr. med. Leo Auerbach, Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien.


Wiener Zeitung: Ab welchem Lebensalter treten gutartige Veränderungen der weiblichen Brust gehäuft auf?

Auerbach: Prinzipiell kann in jedem Lebensalter eine gutartige Brusterkrankung auftreten, jedoch wird die überwiegende Mehrzahl zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr beobachtet.

WZ: Welche Veränderungen treten überhaupt auf und welche sind die häufigsten?

Auerbach: Zu den häufigsten Veränderungen zählen die sogenannten Fibroadenome (gutartige Geschwulste mit reichlichem Bindegewebe), die auch von der Frau selbst als derbe, wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter große Knoten getastet werden können. Bei beinahe 50 Prozent aller Frauen im reproduktiven Alter treten Zysten auf (sackartige, mit Flüssigkeit gefüllte Geschwulste). Sie tasten sich meist prall-elastisch an, können schmerzhaft sein und ihre Größe zyklusabhängig verändern.

WZ: Wie diagnostizieren Sie diese Erkrankungen?

Auerbach: Meist sind plötzlich auftretende Schmerzen oder das Tasten eines Knotens die Hauptsymptome, deretwegen die gynäkologische Sprechstunde aufgesucht wird. Eine exakte Anamnese, ein Hormonstatus, Ultraschall und Bruströntgen (Mammographie) sind neben dem Tastbefund die wichtigsten Verfahren, die zur Diagnose und zum Ausschluss einer Krebserkrankung herangezogen werden können. Vor einer nicht gewünschten Brustoperation kann bei einem nicht eindeutigem gutartigen Befund eine Nadel/Mammabopsie durchgeführt werden, die eine genaue histologische Diagnose ermöglicht.

WZ: Bei welchen gutartigen Veränderungen besteht die Gefahr, sich in einen bösartigen Tumor zu verwandeln?

Auerbach: Die Umwandlung gutartiger Brusttumore in bösartige Veränderung ist sehr selten. Prinzipiell sollten Knoten, die zwischen einzelnen Kontrolluntersuchungen wachsen, histologisch abgeklärt werden. Das Auftreten von Zysten stellt jedoch kein erhöhtes Karzinomrisiko dar.

WZ: Welche Therapien können eingesetzt werden?

Auerbach: Die Therapiemöglichkeiten differenzieren sich nach der Diagnose und den kausalen Ursachen. Veränderung hormoneller Genese werden durch eine entsprechende Hormonsubstitution behandelt. Bei Fibroadenomen selbst ist eine signifikante Therapie zur Verkleinerung oder zum Verschwinden der Knoten nicht bekannt. Die Symptome von Brustschmerzen und knotig-zystische Brustveränderungen können durch Gelbkörperhormone, lokale Salben und diätetische Maßnahmen beeinflusst werden. Enzymtherapeutika zeigen auch in klinischen Studien eine deutliche Besserung der Beschwerden und eine Verringerung der Zystengröße.

WZ: Haben diese Medikamente, die Sie angeführt haben, gravierende Nebenwirkungen?

Auerbach: Nebenwirkungen der Enzymtherapie sind bei richtiger Einnahme äußerst selten, Hormonpräparate sollten gut abgestimmt werden. Alle Therapien werden meist nur über einen bestimmten Zeitraum gegeben.

WZ: Welchen Stellenwert haben Schmerzen der weiblichen Brust?

Auerbach: Viele Frauen klagen über zyklische, also immer an bestimmten Tagen innerhalb eines Menstruationszyklus auftretende Schmerzen, ohne dass Knoten oder Zysten vorliegen müssen. Meist liegt hier eine hormonelle Dysregulation vor. Diese Schmerzen können leicht, aber auch in selten Fällen unerträglich sein und sollten entsprechend der möglichen kausalen Genese auch therapiert werden. Schmerzen selbst sind in nur knapp 30 Prozent aller Veränderungen mit Brustkrebs assoziiert.

WZ: Gibt es eine Prophylaxe?

Auerbach: Es ist bekannt, dass sogenannte Lifestyle/Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Vitamin A und E sind wissenschaftlich untersucht, gute Erfahrungen gibt es mit Primrose-Öl und Koffeinabstinenz. Dies gilt aber auch für regelmäßige sportliche Betätigung.

WZ: Was soll eine Frau tun, wenn sie einen Knoten spürt?

Auerbach: Beim plötzlichen Auftauchen eines Knotens steht die Angst vor einer Krebserkrankung im Vordergrund. Sie sollte ihren Gynäkologen, ihren Chirurgen aufsuchen und mit diesem das weitere Vorgehen besprechen. Eine eindeutige Diagnose lässt sich nur durch eine Gewebeuntersuchung erzielen, die in lokaler Betäubung durchgeführt werden kann und keine sichtbaren Narben hinterlässt. Auch nach Diagnose einer gutartigen Erkrankung sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.