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Brutale Polizei-Übergriffe bringen Spanien Polit-Streit

Von Manuel Meyer

Politik

Der Todesfall eines spanischen Bauern in einer Kaserne der paramilitärischen Polizei Guardia Civil am 24. Juli in Roquetas de Mar (Almeria) wird zum politischen Sommertheater.


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Politiker der spanischen Volkspartei (PP) nutzen seit Tagen den tragischen Todesfall aus, um in den Medien ein Fehlverhalten des sozialistischen Innenministers Jose Antonio Alonso bloßzustellen. Durch diesen Druck der größten Oppositionspartei ist Innenminister Alonso nun gezwungen, heute, Donnerstag, im Parlament Rechenschaft über den Vorfall abzulegen.

Eigentlich wollte Alonso dies erst nach der parlamentarischen Sommerpause im September tun, aber die Foltervorwürfe der Opposition sowie die Proteste Hunderter Bürger, die nach der Beerdigung von Juan Martinez Galdeano vor die Guardia Civil Kaserne in Roquetas de Mar zogen und die Beamten als Mörder beschimpften, zwangen die Regierung zum Handeln. Am Montag bedrohte ein Sympathisant der Guardia Civil sogar eine erneute Protestaktion mit einer Pistole und musste von der Polizei überwältig werden.

Nun scheint auch die sozialistische Regierung den Todesfall zur politischen Schlammschlacht auszunutzen. Innenminister Alonso hat laut Informationen der Zeitung "La Razon" alle Guardia Civil-Kasernen aufgefordert, über sämtliche Todesfälle zwischen 1996 und 2001 zu informieren. In dieser Zeitspanne regierte die konservative Volkspartei. Alonso scheint die Daten nutzen zu wollen, um den Konservativen Wind aus den Segeln zu nehmen.

Dabei dürfte Alonso mit Sicherheit fündig werden, denn es ist nicht das erste Mal, dass die für ihre Brutalität bekannte Polizeieinheit wegen Misshandlungen und Folter Schlagzeilen macht. Immer wieder kommen in den Händen der Guardia Civil Menschen um, bei denen sich in der zweiten, von der Familie erzwungenen Autopsie, Misshandlungen als Todesursache ergeben.

Die zuständige Richterin hat die bereits vom Dienst suspendierten Beamten zwar vorerst auf freiem Fuß gelassen, doch der Autopsiebericht widerspricht den Aussagen der Polizisten. Diese gaben an, der Landwirt habe sich an jenem Tag im Innenhof der Kaserne so erregt, dass er ruhig gestellt werden musste. Stress und Drogenkonsum führten in dieser Situation angeblich zu einem Herzinfarkt. Dabei kam der Mann freiwillig in die Kaserne, um einen Verkehrsunfall anzuzeigen.

Laut Angaben der beteiligten Polizisten wurde Juan Martinez Galdeano unruhig und aggressiv, als sie ihn unter Verdacht auf Drogenkonsum zur Blutabnahme in die örtliche Polizeistation bringen wollten. Augenzeugen geben allerdings an, die Polizisten hätten fast eine halbe Stunde lang auf den Bauern eingeschlagen, dabei sogar nicht genehmigte Mittel wie Elektroschockknüppel eingesetzt, um den mit den Händen auf dem Rücken gefesselten Familienvater zu überwältigen.

Die Beamten zogen den kräftigen Mann laut Passanten in eine Ecke des Innenhofes, wo die Überwachungskamera nicht die Geschehnisse aufnehmen konnte, die allerdings von der Straße aus einzusehen ist. "Die Schläge waren so stark, dass all seine Organe verletzt waren. Sogar sein Brustbein wurde zertrümmert, weil er auf dem Boden lag, sich jemand auf ihn stellte und ihn nach oben zog", erklärte Jose Ramon Cantalejo, Anwalt der Familie des Toten, der die Beamten der Folter und des Mordes anklagt. Der Mann war nach der Schlägerei anscheinend so entstellt, dass ihn sein eigener Sohn auf dem Autopsietisch kaum wieder erkannt haben soll. APA