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BSA als Karriereleiter für Nazis

Von Brigitte Pechar

Politik

"Wir haben der SPÖ nichts erspart", meinte der frühere Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands, Wolfgang Neugebauer, zur Aufarbeitung der Rolle des Bundes Sozialdemokratischer Akademiker (BSA) bei der Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten. Die Studie, an der auch Peter Schwarz mitgearbeitet hat, wurde gestern in Buchform von BSA-Präsident Caspar Einem präsentiert.


Dank der Mitgliedschaft im BSA schafften zahlreiche ehemalige Nazis ihren Aufstieg in Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Die Reintegration ehemaliger Nazis war eingebettet in das politische Nachkriegsgeschehen Österreichs. Schließlich gab es 700.000 davon in Österreich.

Als Spezifikum der Sozialdemokraten betrachtet es Neugebauer, dass sie plötzlich in der Lage war, viele Posten besetzen zu können, aber durch die Vertreibung akuten Mangel an Intellektuellen hatte. Dazu kam, dass in der damaligen Führungsebene der SPÖ kein großes Interesse war, die Vertriebenen zurück zu holen. Einerseits sah sie sich persönlich gefährdet, andererseits fürchtete man auch, dass die SPÖ durch die Zurückholung der Intellektuellen stärker nach links abdriften könnte. Der frühere Wiener Finanzstadtrat Hugo Breitner ("Wohnbausteuer") wollte sehr gerne nach Wien zurück kehren. Während man sich öffentlich dafür aussprach, wurde seine Rückkehr von SPÖ-Seite verhindert. Und drittens wollte man nicht als "Judenpartei" bezeichnet werden. Auch die Konkurrenzsituation mit der ÖVP und dem Cartellverband (CV) habe zu einer Eigendynamik geführt, nach dem Motto: "Lieber einen Nazi als einen CVer", sagte Neugebauer.

Vor allem die früheren SPÖ-Vorsitzenden Adolf Schärf (später Bundespräsident) und Bruno Pittermann, aber auch Karl Waldbrunner (Verstaatlichtenminister) und Justizminister Christian Broda hätten sich "am massivsten um die Karriereförderung ehemaliger Nationalsozialisten angenommen". Warum Broda, der Kommunist und Widerstandskämpfer war, sich in der Nazi-Förderung so besonders hervorgetan hatte, erklärt Neugebauer mit "Machtkalkül".

Schwarz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des DÖW, erwähnte aber auch die "massive Interventionstätigkeit der ÖVP-Spitze", die im Justizbereich quantitativ weit über jene der SPÖ gegangen sei. Namentlich nannte er die Bundeskanzler Leopold Figl, Alfons Gorbach und Julius Raab.

Den Stein für die Auseinandersetzung des BSA mit seiner Vergangenheit ins Rollen gebracht hat der Fall des Gerichtspsychiaters und BSA-Mitglieds Heinrich Gross, der für die Tötung geistig behinderter Menschen verantwortlich gemacht wird. Caspar Einem sieht in der Aufarbeitung eine Notwendigkeit ohne die keine Chance bestehe, "dass die Wunden heilen". Ende Jänner soll dann der Bericht über die "braunen Flecken der SPÖ" präsentiert werden.

Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz, Der Wille zum aufrechten Gang, Wien 2005, Czernin Verlag, 335 Seiten, 23 Euro, ISBN 3-7076-0196-X