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Bücher von 27 Banken unter der Lupe

Von Winfried Kösters/sda

Politik

Basel · Ungeachtet des milliardenschweren Vergleichs zwischen den Schweizer Großbanken und jüdischen Sammelklägern laufen die Untersuchungen über nachrichtenlose Konten bei Schweizer | Banken weiter auf Hochtouren. Die Schweizer Banken hätten ein ungebrochenes Interesse daran, das Problem der nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern ein für allemal zu klären, sagte Georg | Krayer, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.


Die Spitzen der beiden Großbanken UBS und CS hielten sich in diesen Tagen in den USA auf, um intensiv die Frage zu diskutieren, wie dieser Prozeß, der unter der Aufsicht des Volcker-

Komitees steht, vorangetrieben werden könne.

Seit Jahresmitte nehmen rund 200 Experten von vier internationalen Revisionsfirmen die Bücher von 27 Schweizer Banken, vor allem der Großbanken, unter die Lupe. Die Arbeiten dürften laut Krayer bis

Jahresende abgeschlossen werden. Die Auswertung und der Schlußbericht des Volcker-Komitees sollen 1999 vorliegen.

Es sei zwar kaum zu erwarten, daß über die bereits gefundenen 67 Mill. Franken hinaus substantiell höhere Beträge aufscheinen. Der Volcker-Bericht werde aber ein sehr klares Bild über die zwischen

1933 und 1945 geführten Konten und deren durchschnittliche Guthaben liefern. "Die Mär von Milliardenbeträgen, die in Schweizer Tresoren schlummern, wird damit endgültig widerlegt", sagte Krayer.

Die Banken seien bereit, ihre Lehren aus den Turbulenzen der Vergangenheit zu ziehen. So müsse die Behandlung nachrichtenloser Konten gesetzlich klar und eindeutig geregelt werden. Ein entsprechendes

Projekt sei im Parlament und beim Justizministerium anhängig.

Grundsätzlich unabhängig von der Suche nach nachrichtenlosen Vermögen auf Schweizer Bankkonten sei der Vergleich in Höhe von 1,8 Mrd. Franken zwischen den Großbanken und den US-Sammelklägern. Derzeit

werde sehr emotional statt mit Verstand darüber diskutiert, ob und wer sich an der Begleichung dieser Summe beteiligen solle. "Wenn der Rauch einmal verflogen ist und die Details bekannt sind, wird

man sehen, vor welch immensem Schaden der Vergleich die Schweiz bewahrt hat", sagte Krayer.

Im übrigen leisteten die 27 Banken, die derzeit im Rahmen des Volcker-Komitees untersucht würden, bereits heute einen enormen Solidarbeitrag. Die zusätzlichen Revisionskosten betrügen das Mehrfache

einer normalen Jahresrevision.

Die Auseinandersetzung um Vermögenswerte von Holocaust-Opfern habe dem Ruf der Schweiz im Ausland ohne Zweifel geschadet, unabhängig davon was wahr, gerecht und gerechtfertigt sei. Nun dürfte die

Haltung wieder auf "neutral" umschwenken. Um den Ruf wieder aufzupolieren, seien alle Kräfte gefordert. "Das geht weit über den Bankensektor hinaus", sagte Krayer.