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Buchmarkt mit ganz neuen Seiten

Von Christina Böck

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Es klingt ja selbst wie ein Roman. Dichter sitzt im Flugzeug neben reichem Unternehmer. Dichter verlangt dreist von ihm den Feuilleton-Teil der "FAZ", denn den lese der ja sicher eh nicht. Sie werden Freunde. Dichter erzählt seinem neuen Freund, dass er es sich mit so ziemlich jedem Verlag verscherzt hat. Freund sagt: Ich zahle dein nächstes Buch. Es gehört dann mir allein.

So ungefähr ist es zwischen Wolf Wondratschek und Helmut Meier verlaufen. Letzterer hat als privater Mäzen für etwa 40.000 Euro Wondratscheks neuen Roman "Selbstbildnis mit Ratte" erstanden. Derzeit, so hat er der "FAZ" gesagt, genießt er es noch, den Roman ganz allein für sich zu haben. Aber in weiterer Folge könne er sich schon vorstellen, ihn via E-Book mit der Welt zu teilen.

Das mag kurios klingen, aber wenn sich jemand ein Bild eines bekannten Künstlers um weit absurdere Beträge kauft, wundert sich auch keiner. Vielleicht also ein neues Geschäftsmodell in der Literatur? Muss Bestseller schon bald nicht mehr heißen, dass sich ein Buch oft an viele Menschen verkauft, sondern kann es bald heißen, dass es sich einmal gut an nur einen verkauft?

Dass sich die klassische Literatur vielleicht wirklich bald etwas Neues in Sachen Marketing einfallen lassen muss, zeigt die Amazon-Bestenliste in Großbritannien. Dort ist nämlich nicht etwa irgendein Thriller von Stephen King oder irgendeine Schnulze von der aktuellen Schnulzenlady, wie auch immer sie heißt, an erster Stelle. Denn an der Spitze steht derzeit, kein Scherz: ein Ausmalbuch für Erwachsene.