Zum Hauptinhalt springen

Budgetstopp für Fachhochschulen verlagert das Problem zu den Unis

Von Brigitte Pechar

Analysen

Mitten in die Ferienzeit platzte die nächste bildungspolitische Bombe: Der Ausbau von Österreichs Fachhochschulen ist vorerst auf Eis gelegt. Natürlich nur wegen momentan spürbarer budgetärer Engpässe, wie Wissenschaftsministerin Beatrix Karl betont - und auch das vielleicht nur temporär. Dennoch: Stillstand bedeutet Rückschritt und das gilt gerade im Bildungsbereich. Dabei ist unbestritten: Die Fachhochschulen wurden zu einer Erfolgsgeschichte.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 13 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Vater der Fachhochschulen war Erhard Busek. Er ließ sie in seiner Zeit als Wissenschaftsminister entwickeln, 1994 wurden die ersten FH-Lehrgänge eröffnet. Hintergrund war schon damals die Hoffnung auf eine Entlastung der Universitäten. Ein anderer Grund dafür war die Diversifizierung des tertiären Sektors, der damals alleine aus den Universitäten und den Kunsthochschulen bestand. Auch die Unterstützung der Bildungsexpanison war eine Triebfeder für die Schaffung der Fachhochschulen. Impulse sind aber auch von der Wirtschaft ausgegangen, die sich eine stärkere Praxisorientierung und kürzere Studiendauer wünschte.

All diese Erwartungen wurden erfüllt beziehungsweise teilweise erfüllt. Es zeigte sich, dass Fachhochschulen für bildungsferne Schichten eine leichter zu beschreitende Route sind als Unis: Man ist in kurzer Zeit fertig und man hat quasi einen Beruf. Die Universitäten wurden zwar entlastet, aber nicht in dem Sinn, dass sich die katastrophalen Bedingungen in den Massenstudien entspannt hätten. Das ist auch nicht möglich, weil die Universitäten noch immer keine Aufnahmeverfahren oder sonstige Qualifikationskriterien eingeführt haben - mit Ausnahme von wenigen Fächern wie etwa Medizin. Ganz im Gegensatz zu den Fachhochschulen, wo ausführliche Aufnahmetests vorgesehen sind.

Wenn also an den Fachhochschulen ein Expansionsstopp gilt, weichen die Studierwilligen eben an die Universitäten aus. Dass das für die öffentliche Hand deshalb teurer wird, kann man so nicht sagen, denn die Universitäten erhalten deshalb nicht mehr oder weniger Mittel vom Bund. Die Finanzierung der Universitäten liegt alleine beim Bund (mit Ausnahme der nicht so sehr ins Gewicht fallenden Drittmittel). Heuer erhalten die Unis 2,2 Milliarden Euro - 2,8 Milliarden Euro, wenn man die Infrastrukturausgaben dazu rechnet - für etwa 270.000 Studierende. 220 Millionen Euro bekommen dagegen die Fachhochschulen für rund 36.000 Studenten vom Bund (andere Mittel kommen von Trägern, Ländern, Städten). Die Finanzierung erfolgt pro Studienplatz.

Busek bringt es auf den Punkt: Es fehlt das Geld. Die Ministerin wäre gefordert, dieses einzuholen. "Wenn sie scheitert, hat sie es wenigstens versucht." Und: Die Gretchenfrage zum Bildungsbudget werde Karl nicht erspart bleiben, denn an den Unis wird im Herbst der Hut brennen.

Siehe auch:Investitionsstopp bei den Fachhochschulen fixiert