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Bündelung der Forschung kann Vorteile bieten

Von Heiner Boberski

Wissen

Massive Kritik daran, dass außeruniversitäre Forschung gekürzt wird. | Wissenschaftsrat hält eine "Win-Win-Situation" für durchaus möglich. | Wien. Jürgen Mittelstraß, Präsident des Österreichischen Wissenschaftsrates, begrüßt "eine gewisse Neuordnung der universitären und außeruniversitären Forschung", wie sie der Rat vor einem Jahr schon selbst empfohlen hat. Eine kluge Reorganisation könne zu einer "Win-Win-Situation" führen, von der die Universitäten und die Forschungseinrichtungen profitieren könnten.


Während es, beispielsweise seitens der Wittgenstein-Preisträger und jener 70 außeruniversitären Vereine und Institute, denen ab 1. Jänner 2011 die Basisfinanzierung gekürzt oder gestrichen werden soll, Proteste gegen die Forschungspolitik der Regierung hagelt, sieht Mittelstraß in einer Bündelung von Forschungsaktivitäten, insbesondere mit den Universitäten im Zentrum, durchaus Chancen für ein Weiterbestehen der meisten nun in ihrer Existenz bedrohten Einrichtungen.

Nur sollten für solche "Maßnahmen optimierender und strukturbereinigender Art" in erster Linie "wissenschaftssystematische Überlegungen", nicht Budgetgründe Auslöser sein. Vor tiefgreifenden Strukturänderungen sollte eine sorgfältige Evaluierung der vielen zur Debatte stehenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen erfolgen. Dann freilich müsse man sich zwischen einer Weiterführung in einem größeren Forschungsverbund oder einer Schließung entscheiden. Mittelstraß: "Artenschutz gibt es in der Wissenschaft nirgendwo."

Bezüglich Eingliederung in eine größere Einheit bevorzugt der Rat die Universitäten. Sie seien "Kern eines Wissenschafts- und Forschungssystems, unter anderem weil sie den wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden und für die wachsende Bedeutung der interdisziplinären Forschung einen optimalen Rahmen darstellen". Die deutsche Situation sieht Mittelstraß als "dramatisch" an, weil große Einrichtungen wie Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft "so etwas wie einen Auszug der Forschung aus den Unis" bewirkt hätten. In Österreich sei die Lage in dieser Hinsicht weniger gefährlich.

Auch der für eine zufällig an diesem Wochenende angesetzte Tagung des Wissenschaftsrates zu dieser Thematik angereiste Vize-Kanzler der University of London, Geoffrey Crossick, hält eine Konzentration der Forschung an den Universitäten, wie sie in Großbritannien die Regel ist, für sehr vorteilhaft. Damit sei die heute unbedingt nötige Interdisziplinarität viel einfacher zu bewerkstelligen, auch könne man viel leichter strategisch planen.

Das Wissenschaftsministerium führt gerade Gespräche mit den von den Kürzungen betroffenen Einrichtungen. Näheres soll am kommenden Dienstag bekanntgegeben werden. "Mögliche Wege sind Neustrukturierungen, die Anbindung an bestehende Institutionen, Kooperationen und die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur", erklärt Sprecherin Elisabeth Grabenweger. Denkbar sei, dass "Exzellenz" verstärkt zurück an die Unis käme. "Der Wegfall der Basissubvention bedeutet keineswegs das automatische Aus der Organisationen", wird betont.

Als Beispiel für Integration nennt man das bisher zur Akademie der Wissenschaften zählende Konrad-Lorenz-Institut für vergleichende Verhaltensforschung. Es wird mit dem benachbarten Institut für Wildtierbiologie der Veterinärmedizinischen Universität vereint und soll als Teil dieses Instituts weiterbestehen.