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Bundesbuchhalter bereit für mehr

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

"Erfolgreiches Beispiel für eine Verwaltungsreform." | Starker Anstieg der Buchungen durch Systemumstellung. | Wien.Seit rund fünf Jahren soll sie dafür sorgen, dass in den Kassabüchern aller Bundesstellen Ordnung herrscht. Nun fühlt sich die Bundesbuchhaltungsagentur (BHAG) zu mehr berufen. "Wir glauben nicht, dass ein Ende der Entwicklung erreicht ist", so BHAG-Sprecher Gerhard Pölzl im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Im Rahmen einer Verwaltungsreform könnten sich durchaus neue Betätigungsfelder erschließen.


Zwar gebe es derzeit dafür noch nicht die gesetzliche Grundlage, meint Pölzl. Es wäre jedoch möglich, dass die BHAG "in absehbarer Zeit" auch die Buchhaltung und Buchprüfung von "Schwesterunternehmen" - also anderen Ausgliederungen des Bundes - übernimmt. Konkret denkt man dabei an die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) und das Bundesrechenzentrum (BRZ). Konkrete Signale sind allerdings noch ausständig.

Deutlich vorsichtiger geben sich die Bundesbuchhalter, wenn es um die Frage geht, ob auch Bundesländer als Kunden denkbar wären. Derartige Überlegungen wären zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht, meint Pölzl - aber: "Sag niemals nie."

Vieles läuft elektronisch

Allerdings wird sich die Anzahl der Buchungen, die die BHAG abwickelt, auch ganz ohne Neukunden bis Ende 2011 fast verdoppeln (siehe Grafik). Grund dafür ist, dass sämtliche Stellen des Bundes an ein einheitliches Computer-Abrechnungssystem angeschlossen werden. Dadurch steigt die Zahl der direkt bei der BHAG abgewickelten Buchungen massiv an.

Eine Personalaufstockung benötigt die Bundesbuchhaltungsagentur deshalb aber nicht: Die Zahl jener Buchungen, für die noch physische Belege gesichtet werden müssen, nimmt ab und werde "gegen null gehen", so Pölzl. Durch die weitgehend elektronische Abwicklung könne man die eigenen Prozesse verschlanken.

Derzeit beschäftigt die BHAG 580 Mitarbeiter. Vor der Ausgliederung waren in 79 verschiedenen Dienststellen mehr als 1300 Mitarbeiter mit Buchhaltungsagenden betraut. Zu den Kunden zählen - neben den Ministerien - unter anderem die Bundesfinanzierungsagentur, die Präsidentschaftskanzlei und das Arbeitsmarktservice.

Reaktion auf Betrugsfall

Neben der Verrechnung von Schulden, Forderungen und Zahlungen im Gesamtausmaß von 130 Milliarden Euro jährlich und der Durchführung von Mahnverfahren führt die BHAG auch Prüfungen durch. Dabei geht es etwa um die Einhaltung der Buchungsvorschriften oder um Sicherheitsaspekte. 2009 fielen alleine in diesem Bereich mehr als 84.000 Arbeitsstunden an - 2005 waren es lediglich 50.000

Bei der BHAG sieht man sich als "erfolgreiches Beispiel" für eine Verwaltungsreform. Da man kein gewinnorientiertes Unternehmen sei, könne man Effizienzvorteile an Kunden weitergeben. Von 2008 auf 2009 wurde der Stundenpreis um 6 Prozent auf 55,20 Euro gekürzt.

Eine Sicherheitslücke im eigenen Bereich hat die Bundesbuchhaltungsagentur mittlerweile geschlossen. Anfang 2009 war nämlich ein Betrugsskandal aufgeflogen: Ein leitender Mitarbeiter soll Geld per Telebanking auf Privatkonten verschoben und widerrechtlich Schuldscheine der Republik an Investoren verkauft haben. Die mögliche Schadenshöhe reicht bis zu 70 Millionen Euro. Nun hat man Erfassung, Buchung und Zahlung personell getrennt.

Noch nicht einbezogen wurde die BHAG in die Diskussion um die Umsetzung der sogenannten Transparenzdatenbank für Sozialleistungen und Förderungen. Dabei bieten die Bundesbuchhalter im Rahmen von Zusatzleistungen auch die Prüfung der widmungsgemäßen Verwendung von Fördermitteln an. Im Boot sei man jedoch, was die Reform des Haushaltsrechts 2013 anbelangt, so Pölzl. Man habe sogar schon einige Mitarbeiter hinsichtlich der künftigen Anforderungen ausgebildet.