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Bundesliga 2011/12 - eine Saison der Bescheidenheit

Von Simon Rosner

Analysen

Die Liga hat sich ein neues Gesicht verliehen, ein attraktives ist es nicht.


Geschafft. Es ist vorbei. Alle Beteiligten, vor allem die Zuschauer, dürfen sich gratulieren. Sie haben die Bundesliga-Saison überstanden. Selten zuvor war eine ganze Spielzeit so sehr in der medialen Kritik wie die nun zu Ende gegangene Saison. Doch so tief ist das Niveau nicht gesunken, wie manche glauben. Die Bundesliga hat nur jeglichen Unterhaltungswert verloren. Mangelnde Attraktivität ist auch ein Problem, aber ein anderes als Niveaulosigkeit.

Was dieser Saison gefehlt hat, war das Besondere. So schlecht waren die internationalen Auftritte nicht. Doch es fehlten die besonderen Spiele, die besonderen Spieler und die besonderen Ideen. Aber das passt zur Denkweise der Vereine, die sich allesamt dem Dogma der Bescheidenheit verschrieben haben. "Endlich", dachten viele. Doch man rechnete nicht damit, dass es auch in spielerischer und kreativer Hinsicht gemeint war.

Diese Denkweise steht im Gegensatz zur gelebten Praxis der Post-Bosman-Ära, als sich die Vereine, voller Sehnsucht nach Erfolg, Champions League und Ruhm, ins Verderben wirtschafteten. Die starken Legionäre, vor allem jene aus Osteuropa, die Österreichs Liga bis Mitte der 90er-Jahre aufgewertet hatten, fanden nach dem Bosman-Urteil anderswo in Europa bessere Verdienstmöglichkeiten und Perspektiven. Es kamen viele, nicht mehr ganz so gute Spieler aus dem Ausland, und bald schon setzte das nationale Wehklagen über "diese durchschnittlichen Legionäre" ein. Sie würden den Talenten den Weg verstellen, die Nationalelf sei nur deshalb so schwach.

Das Ergebnis ist das Gleiche

Doch es war nicht die Anwesenheit der ausländischen Spieler, es war jene von unseriösen Managern, Klubchefs und das Fehlen von Vereinsphilosophien und Kontinuität, die Spieler und Mannschaften in ihrer Weiterentwicklung behindert haben. Heute hat die Bundesliga ein gänzlich anderes Gesicht. Die Klubs setzen auf Eigenbauspieler und holen fast nur inländische Kicker. Dazu hat eine neue Trainergilde, die Klasse von ’98, Kogler, Stöger, Schöttel, Vastic, Kühbauer, die Generation 78 endgültig abgelöst. Das Bild der Liga mag nun ein anderes sein, das Ergebnis ist das Gleiche. Heute sind es nicht die "durchschnittlichen Legionäre", die das Niveau der Liga definieren, es sind durchschnittliche heimische Spieler, die das Gros der Liga ausmachen. Die, die wirklich gut sind - Legionäre wie Österreicher - wechseln in stärkere Ligen, und das wird sich auch nicht mehr ändern, Österreichs Liga ist einfach Durchschnitt, mal etwas besser, mal etwas schlechter.

Heute werden die Abgänge entweder intern oder mit Spielern kleinerer Bundesliga-Klubs ersetzt. Statt Jelavic Nuhiu, statt Junuzovic Simkovic. Nachdem die Vereine umgedacht haben, müssen es nun auch die Beobachter tun. Es wird zwar immer wieder möglich sein, gute Teams aufzubauen, die ein, zwei Jahre relativ erfolgreich spielen, auch international. Nur muss man jetzt in Zyklen denken. Rapid hatte ein gutes Team beisammen, mit ein paar starken Legionären und heimischen Talenten. Der Zyklus (ein Titel, zweimal Europa League) ist vor eineinhalb Jahren zu Ende gegangen, es begann ein neuer. Bei Sturm endete der erfolgreiche Zyklus mit dem Titel im Sommer, bei der Austria im Winter mit den Abgängen von Barazite, Junuzovic und Daxbacher.

Ein paar starke Legionäre werden die Klubs aber auch in Zukunft benötigen, um nicht nachhaltig an Niveau zu verlieren. Die Nachwuchsförderung funktioniert einigermaßen, doch Scouting im Ausland gibt’s fast gar nicht. Rapid und Austria decken fast nur den heimischen Markt ab, doch das wird zu wenig sein. Und dann wird es auch an den Trainern liegen, an deren Strategien und Ideen. Für eine finale Beurteilung von Schöttel, Moniz und Vastic ist es noch zu früh, aber Besonderes sah man bisher auch von ihnen nicht. Es passt zur Liga der Bescheidenheit.