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Burgenländer erobern Ballhausplatz

Von Walter Hämmerle

Politik

Bundespräsident gratuliert Faymann und Pröll. | Wiener unbeeindruckt, Burgenländer euphorisch. | Wien. Größe ist bekanntlich relativ - im Februar 2000 etwa waren Ballhausplatz und Heldenplatz gerammelt voll. So voll, dass nicht einmal mehr für die anzugelobende Regierung genug Platz vorhanden war - weshalb sie unterirdisch zur Angelobung schritt. | Die Regierung


Am Dienstag dagegen konnte man die Weiten dieser Platzlandschaft ungestört genießen. Wie an jedem gewöhnlichen Wochentag auch. Das einzig Ungewöhnliche waren die gut drei Dutzend wartenden Journalisten. Nicht einmal das etwa abseits abgestellte Polizeiauto deutete auf Historisches an diesem Tag hin: Die Angelobung der neuen Regierung unter Bundeskanzler Werner Faymann durch Bundespräsident Heinz Fischer.

Doch dazu später. 2002 und 2006 - nach den turbulenten Ereignissen des Jahres 2000 - wollten die jeweiligen Regierungsparteien den Ballhausplatz wenigsten nicht den Demonstranten überlassen und organisierten Claqueure für die je eigene Sache. Aber auch von diesen fand sich am Dienstag keine Spur.

Berlakovich mit eigenem Fanclub

Nach und nach traf wenigstens die neue Regierung ein. Der gemeinsame Marsch zum Bundespräsidenten ist ja quasi der allgemein öffentliche Teil der Angelobungszeremonie. Auch Familienmitglieder waren mit von der Partie. Faymann, der künftige Kanzler, kam mit Ehefrau Martina Ludwig, SPÖ-Gemeinderätin in Wien; den künftigen Vizekanzler Josef Pröll begleiteten Ehefrau Gabi samt zwei Kindern, an der Seite von Verteidigungsminister Norbert Darabos war der 70-jährige Vater und Staatssekretär Reinhold Lopatka kam beinahe zu spät zur Angelobung, weil er vor dem Tor auf seinen Sohn warten musste.

Das war schon eines der aufregenderen Ereignisse an diesem Tag. Den Vogel schoss aber der burgenländische Newcomer, Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP), ab: Er wurde als Einziger mit lautem Applaus und Jubel empfangen, als die Regierung mit Faymann und Pröll an der Spitze und umringt von Journalisten um 9.20 Uhr zur Angelobung marschierte. Ein Fan-Bus - großteils Pensionisten mit viel Tagesfreizeit - aus Nebersdorf, der Heimatgemeinde des Burgenland-Kroaten, war extra angereist.

Während der einstündigen Angelobung kehrte wieder Ruhe zwischen Hofburg und Ballhausplatz ein. Lediglich ein in dezentes Orange gekleideter Vertreter der MA 48 sorgte für Hektik unter den Protokollhütern, als er zwei Müllcontainer direkt vor den Eingang zur Machtzentrale der Republik schob - während der Angelobung wohlgemerkt.

Der gute Mann wurde aufgefordert, seine Arbeit so schnell wie möglich zu verrichten, schließlich gebe das doch ein unmögliches Bild: Eine frisch angelobte Regierung zusammen mit Müllcontainern vor dem Kanzleramt. Keine zwei Minuten später war der Müll entsorgt, die Container verräumt. Dienstags ist übrigens immer Mülltag beim Kanzleramt - nur in der Regel via Hintertür, die war aber wegen der Angelobung verschlossen.

Der Bundespräsident gratulierte erfreut

In der Hofburg selbst ging dafür alles glatt. Der Bundespräsident und die neue Regierung strahlten in die Kameras. Fischer gratulierte zum Abschluss der Regierungsverhandlungen und wünschte sich gute Kooperation und faire Zusammenarbeit auch mit der Opposition: "Auch die längste Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Das ist heute der erste Schritt in eine, wie ich hoffe, gute Zukunft."

Knapp vor halb elf Uhr traten die frisch angelobten Ministerinnen und Minister den Rückweg ins Kanzleramt an, wo sie sich zum traditionellen Familienfoto der neuen Regierung aufstellten, anschließend traf man sich zum ersten Ministerrat im Sitzungszimmer nebenan. Ausnahmsweise durften auch die Journalisten kurz in den ehrwürdigen Saal.

Nach deren Hinauskomplimentierung wurden technische Details des künftigen Alltags besprochen. So wird der Ministerrat in Zukunft am Dienstag über die Bühne gehen, zuletzt war es der Mittwoch. Die Koordinierungsaufgaben übernehmen Medienstaatssekretär Josef Ostermayer und Infrastrukturminsterin Doris Bures für die SPÖ sowie Prölls Kabinettschef Stefan Pernkopf und Innenministerin Maria Fekter für die ÖVP.

Nachdem auch dieser Punkt des Tagesprogramms erledigt war, nutzten manche frisch gekürten Minister die Chance zum Smalltalk mit Journalisten und Polit-Adabeis, andere begaben sich zur Amtsübernahme in ihr neues Ministerium. Kurz, es war alles sehr schön, sehr feierlich. Die Wiener haben wirklich etwas verpasst. Zum Schluss gab es sogar noch einen ersten Hauch von Irritation. Der Kanzler, befragt nach seinen weiteren Plänen für den Tag, war voller Vorfreude auf ein Abendessen mit Pröll samt Gattinnen vor dem gemeinsamen Auftritt in der "ZiB2". Pröll, der Kühle, wollte dazu aber noch keine fixe Zusage geben. Terminprobleme. Hoffentlich kein schlechtes Omen.

Wortlaut

Die Gelöbnisformel, die der Bundespräsident verliest, lautet: "Sie werden im Sinne des Artikel 72 des Bundes-Verfassungsgesetzes geloben, die Bundesverfassung und alle Gesetze der Republik Österreich getreulich zu beobachten und die mit Ihrem Amte verbundenen Pflichten nach besten Wissen und Gewissen zu erfüllen." Diese bestätigen die Minister mit den Worten "Ich gelobe" und mit Handschlag und Unterschrift.