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Burger braten mit einem Null-Stunden-Vertrag

Von Laure Wallois

Wirtschaft

Arbeit ausschließlich auf Abruf treibt McDonald‘s-Mitarbeiter ins Prekariat.


London. Null-Stunden-Verträge. So heißen die Arbeitskontrakte, mit denen der britische Ableger des Fast-Food-Riesen McDonald‘s rund 90 Prozent seiner Mitarbeiter an sich gebunden hat. Für die Belegschaft bedeuten die Null-Stunden-Verträge vor allem eine völlige Ausrichtung ihres Arbeitslebens an den Bedürfnissen des Unternehmens. Fixe Arbeitsstunden werden den Mitarbeitern nicht garantiert, sie werden eingesetzt, wenn gerade Not am Mann ist und werden abbestellt, wenn es nichts oder wenig zu tun gibt.

Für die Beschäftigten schlägt sich das vor allem auf dem Gehaltszettel nieder, denn bezahlt wird ausschließlich pro gearbeiteter Stunde. Wer eine Woche lang nicht gebraucht wird, bekommt auch nichts bezahlt. Probleme schafft dies vor allem für jene Mitarbeiter, für die die Arbeit bei McDonald‘s nicht bloß ein Aushilfsjob, sondern eine Vollzeitbeschäftigung ist, für die pro Stunde häufig ohnehin nur der Mindestlohn von umgerechnet 7,33 Euro bezahlt wird.

Null-Stunden-Verträge sind zwar schon lange bei der Fast-Food-Kette üblich. Doch dass dies 82.800 ihrer Arbeitnehmer betrifft, wurde erst vor kurzem durch die Enthüllung des "Guardian" bekannt. McDonald‘s selbst weist die Kritik an den Verträgen zurück. Laut einer Sprecherin passt das Arbeitszeitmodell für viele Studenten oder Eltern, die nach einer flexiblen Beschäftigung suchen, gut ins Konzept. "Arbeitsstunden werden im Voraus geplant und wir verlangen von Mitarbeitern nicht, in Bereitschaft zu sein", fügte sie hinzu.

McDonald‘s ist nicht das einzige Unternehmen, das auf Flexibilität setzt. Vergangene Woche enthüllte der "Guardian" auch, dass die große Sporthandelskette Sport Direct etwa 20.000 Personen unter Null-Stunden-Verträge eingestellt hat. Doch nicht nur im Privatsektor, sondern auch im öffentlichen Dienst verbreiten sich seit der Finanzkrise derartige Verträge, vor allem im Gesundheitsbereich. Laut offiziellen Angaben werden in Großbritannien rund 250. 000 Personen in dieser Form beschäftigt. Experten schätzen aber, dass eine Million Personen tatsächlich betroffen sind.

Die oppositionelle Labour Party forderte nach den jüngsten Enthüllungen die Regierung zum Handeln auf, die Gewerkschaften und einige Abgeordnete machen sie
bereits für ein völliges Verbot
der Null-Stunden-Verträge stark. "Manche dieser Angestellten werden 20 bis 30 Stunden pro Woche arbeiten, Woche für Woche. Es ist unentschuldbar, dass diese Leute keinen anständigen Vertrag bekommen", sagt der Labour-Abgeordnete Andy Sawford.

Die Gegner der Null-Stunden-Verträge bekritteln aber nicht nur die prekären Verhältnisse, die die flexiblen Arbeitszeitmodelle mit sich bringen. Sie fürchten auch, dass die Arbeitgeber die Diensteinteilung als Belohnung oder als Bestrafung gegen ihre Mitarbeiter verwenden könnten. Handelsminister Vince Cable versprach in einer ersten Reaktion eine Überarbeitung der Gesetze, um gewisse Härtefälle zu dämpfen, eine Abschaffung der Null-Stunden-Verträge schloss er allerdings aus.