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Bürokrat des Todes

Von Hermann Schlösser

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1961 wurde dem NS-Funktionär Adolf Eichmann, der für den Transport der Juden in die Konzentrationslager verantwortlich war, in Jerusalem der Prozess gemacht. Nach einer ausführlichen Verhandlung wurde Eichmann zum Tod verurteilt.

Der Film "Ein Spezialist" von Eyal Sivan und Rony Braumann verwendet dokumentarisches Material aus diesem Prozess, um ein beklemmendes Porträt Eichmanns zu zeichnen. 1999 war der Film in den Kinos zu sehen, am Sonntagabend wurde er in ORF 2 gezeigt.

Da sah man nun einen verkrampften, wenig souveränen älteren Mann mit einer dicken Brille, der vor seinen israelischen Richtern genauso "strammstand" wie in früheren Zeiten vor seinen Vorgesetzten. Vom Staatsanwalt Gideon Hausner befragt, bezeichnete Eichmann die Ermordung der Juden als "eines der kapitalsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte", und er bestritt auch nicht, dass er an der Durchführung dieses Verbrechens mitgearbeitet hatte. Die Verantwortung dafür lehnte er jedoch ab, weil er immer nur auf Befehl gehandelt habe. Auch Reuegefühle wollte er nicht aufkommen lassen: "Reue ist etwas für kleine Kinder", erklärte er in verächtlichem Ton.

Die Philosophin Hannah Arendt hat den Eichmann-Prozess in ihrem berühmten Buch "Über die Banalität des Bösen" beschrieben. Wie treffend dieser Titel ist, zeigte der quälend lange Film über den Todesbürokraten auf eindrucksvolle Weise.