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Burundis Parade-Aktivist überlebt Attentat

Von Alexander U. Mathé

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Pierre Claver Mbonimpa stellte sein Leben in den Dienst der Menschenrechte - aus Furcht um sein Leben überstellt ihn seine Familie nach Belgien.


Pierre Claver Mbonimpa ist das Gesicht der sich täglich verschlimmernden Situation in Burundi. Die politische Gewalt nimmt in dem afrikanischen Land seit der umstrittenen und von internationalen Protesten begleiteten Wahl von Präsident Pierre Nkurunziza zu. Der Menschenrechtsaktivist Mbonimpa, ein großer Kritiker Nkurunzizas (dem die Opposition vorwirft, dass er eigentlich laut Verfassung keine dritte Amtszeit hätte übernehmen dürfen), ist ein Opfer dieser Eskalation. Anfang des Monats wurde ihm von Unbekannten ins Gesicht geschossen. Nur mit Glück überlebte der 65-Jährige, der zu den wenigen zivilen Gegnern des Präsidenten gehörte, die noch nicht aus dem Land geflohen sind. Mbonimpas Leidensweg dauert schon Jahrzehnte an. Dabei hatte alles angenehm für ihn begonnen: Er war zuerst Beamter im Wirtschaftsministerium, später Polizist bei der Luft- und Zollpolizei. Doch dann kam der Moment, der sein Leben verändern sollte. Er wurde 1994 - fälschlicherweise, wie es heißt - wegen Besitzes einer illegalen Waffe verhaftet und verurteilt. Zwei lange Jahre wurde er im Gefängnis geschlagen und gefoltert. Damals schwor er sich, dass er sein Leben dem Kampf für Gerechtigkeit widmen würde. Und diesen Eid hielt er ein. Wieder in Freiheit, gründete er die Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte und inhaftierter Personen. Ein besonderes Anliegen ist es ihm mit den katastrophalen Verhältnissen in Burundis Gefängnissen aufzuräumen, die er mit eigenen Augen gesehen und am eigenen Leib erfahren hat. Dazu gehört die Folter, dazu gehören sexuelle Übergriffe, dazu gehören Jugendliche, die ab dem 15. Lebensjahr wie Erwachsene behandelt werden, und dazu gehört auch die gemeinsame Unterbringung von Männern, Frauen und Kindern. 2011 erhielt Mbonimpa den Henri-Dunant-Preis für sein Engagement. Unablässig prangerte er die Ermordung burundischer Oppositioneller an. Im April 2014 wurde er schließlich erneut verhaftet. Der Vorwurf: Gefährdung der Sicherheit des Staates. Er hatte öffentlich erklärt, dass die Imbonerakure, Mitglieder der Jugendorganisation der Partei des herrschenden Präsidenten, im der benachbarten Demokratischen Republik Kongo eine paramilitärische Ausbildung erhalten. Er wurde zwar nach internationalen Protesten freigelassen, doch durfte er wegen des laufenden Strafverfahrens die Hauptstadt Bujumbura nicht verlassen. Dieses Verbot wurde nach dem missglückten Attentat aufgehoben. Da seine Familie um Mbonimpas Gesundheit und Sicherheit im Krankenhaus fürchtet, darf er am Sonntag zur Behandlung nach Belgien. So verliert Burundi vorerst eine kritische Stimme. Doch aufgeben wird er wohl nicht; immerhin sagte er einmal: "Morddrohungen können mich aufhalten - ohne mich haben diese Kinder und Gefangenen niemanden."