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Bush musste erste Schlappe einstecken

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Washington - Der designierte US-Präsident George W. Bush musste Dienstag- abend seine erste Schlappe hinnehmen. Seine Kandidatin für das Arbeitsministerium, Linda Chavez, warf das Handtuch.


Nur 55 Stunden, nachdem US-Medien am Sonntag darüber berichtet hatten, dass Chavez in den frühen Neunzigerjahren eine illegale Immigrantin aus Guatemala bei sich beherbergt hatte, zog die umstrittene Politikerin die Konsequenzen. Noch am Tag zuvor hatte sich Bush offen hinter seine Kandidatin gestellt.

Chavez bekräftigte ihre bisherige Darstellung, dass sie Marta Mercado nur aus Nächstenliebe bei sich aufgenommen habe und sprach von einer "Politik der persönlichen Zerstörung". Sie gab aber auch zu, dass sie die Angelegenheit bei ihrer persönlichen Überprüfung nicht angegeben habe.

Für den raschen Rückzug von Chavez dürfte letzten Endes ausschlaggebend gewesen sein, dass durchgesickert war, sie habe eine Nachbarin gefragt: "Glauben Sie, dass es notwendig ist, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, dass Marta in meinem Haus gelebt hat?" Die Tatsache, dass diese Nachbarin gemeinsam dem früheren Clinton-Berater Neil Egglestone in der gleichen Rechtsanwaltskanzlei arbeitet, veranlasste Chavez zu der Klage, dass dieser den Medien den Fall zugespielt habe, was Egglestone aber entschieden zurückwies.

Die Tatsache, dass Bush die erste Hürde seiner angehenden Präsidentschaft so rasch übersprang - Präsident Bill Clinton benötigte in einem ähnlichen Fall vor acht Jahren neun Tage - wird von amerikanischen Politbeobachtern zwiespältig beurteilt. Die rasche Lösung sei einerseits ein Zeichen für Durchschlagskraft, könnte aber die Gegner der beiden nächsten kontroversiellen Kandidaten - Justizminister John D. Ashcroft und Innenministerin Gale A. Norton - ermutigen.

Die Senatsanhörungen für den umstrittenen designierten Justizminister sollen kommenden Dienstag beginnen. Dort wird u.a. ein afroamerikanischer Richter des Obersten Gerichtshofes von Missouri aussagen, dessen Bestellung zum Bundesrichter Ashcroft hintertrieben hat. Als eine der Begründungen für diesen Schritt hatte Ashcroft die Gegnerschaft dieses Richters zur Todesstrafe angeführt.

Das letzte Mal wurde 1989 ein Minister vom Senat zurückgewiesen. Der Kandidat des damaligen Präsidenten George Bush sen. für das Verteidigungsministerium, John G. Tower, wurde wegen Alkoholproblemen abgelehnt. Verteidigungsminister wurde damals der künftige Vizepräsident Dick Cheney.