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Bush -Putin: Donnergrollen hörbar, Gewitter blieb aus

Von Alexander Mathé

Politik

Vieles hatte auf einen Eklat hingedeutet - doch er blieb aus. US-Präsident Bush hütete sich offensichtlich gestern in Bratislava davor, seinen russischen Amtskollegen Putin zu brüskieren.


Der letzte Tag von Bushs Europatour sollte zugleich der wichtigste werden. Die Tage in Brüssel und Mainz waren nicht mehr als eine groß angelegte Publicity-Show.

Bush ist offenbar der Ansicht, seine (und Amerikas) Position sei zu schwach ohne die Unterstützung der EU. So hat er einen neuen Freund in dem Staatenbund gefunden, der ihn kontinuierlich, von WTO bis zum Irak-Krieg, Knüppel vor die Beine geworfen hat. Aus dem erbitterten Gegner in der Irak-Politik, Deutschland, wurde für ihn das "Herz Europas", was wohl eher treffender Zynismus denn ernst gemeinte Anerkennung gewesen sein dürfte.

Bei Russland liegt der Fall anders - dachte man. Bereits das Säbelrasseln der USA im Vorfeld des Treffens bezüglich Russlands Demokratiedefizit und eingeschränkte Pressefreiheit ließ vermuten, dass es in Bratislava ans Eingemachte gehen würde. Auch Russland konterte und verglich die Machtpolitik in den ehemaligen Sowjetrepubliken mit dem Kalten Krieg. Doch es kam anders. Zwar hatte sich Bush die Unterstützung der EU gesichert, für eine Konfrontation mit Russland fehlt aber trotzdem noch die Stärke. Dafür sind die Krisenherde im Irak und Iran sowie in Nordkorea zu groß. Anstatt in die Offensive zu gehen, wollte sich Bush auch noch am letzten Tag einen weiteren Freund sichern. Er erklärte Russland zu einem starken Partner, auf den die USA bauen könnten. Damit endete Bushs Werbefahrt.