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Bush-Visite versetzt London in den Ausnahmezustand

Von Christoph Driessen

Politik

Als George W. Bush das letzte Mal im Buckingham-Palast Tee trank, erregte er nur mit seinen Cowboy-Stiefeln Anstoß. Damals war er noch der Sohn des Präsidenten und stellte sich der Queen als das "schwarze Schaf der Familie" vor. Jetzt wird er nach Schätzungen etwa 100.000 Demonstranten auf den Plan rufen. Sein viertägiger Besuch erfordert die größte Sicherheitsaktion der britischen Geschichte.


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Bush ist der erste US-Präsident, den Großbritannien mit einem Staatsbesuch ehrt. Selbst Präsident Woodrow Wilson kam 1918 kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nur als offizieller Besucher, nicht als Staatsgast. Er fuhr mit König George V. in offener Kutsche über die Prachtstraße The Mall, umjubelt vom Volk. Diesmal kommt zwar auch ein Kriegsalliierter, aber für ihn werden ringsum Straßen abgeriegelt, und seine Limousine ist gegen Granaten-Einschläge und Minen-Explosionen gepanzert. Wie bei James Bond sind Gewehre und Tränengas-Kanonen eingebaut.

14.000 Polizisten wachen über die Sicherheit des "guten Freundes" (O-Ton Premierminister Tony Blair) - mehr als ein Zehntel der britischen Polizei. Über der Londoner Innenstadt gilt ein Flugverbot, Scharfschützen stehen auf den Dächern, und nach Presseberichten wird sogar erwogen, zeitweise alle Mobilfunksignale in der Nähe des Präsidenten zu unterbrechen: Scotland Yard befürchtet demnach, dass Terroristen per Handy eine Bombe explodieren lassen könnten.

Wenn man dem Londoner Bürgermeister Ken Livingstone glaubt, ist all das den Sicherheitsleuten des Präsidenten noch zu wenig: Sie hätten am liebsten die ganze Innenstadt abgesperrt und die U-Bahn geschlossen, berichtet der "Rote Ken", der Bush in einem Interview als "die größte Bedrohung für das Leben auf diesem Planeten" bezeichnet hat.

Auch aus britischen Regierungskreisen verlautet, die Amerikaner hätten mit eigenen Hubschraubern über der Stadt kreisen und kugelsicheres Glas im Buckingham-Palast einbauen wollen. Die Londoner Polizei Scotland Yard versichert deshalb immer wieder, sie allein habe das Sagen und alles unter Kontrolle. Das allerdings hinderte eine 61-jährige Großmutter am Montag nicht daran, den Zaun des Buckingham-Palastes zu ersteigen und dort ein Transparent mit einer Botschaft für "Elizabeth Windsor" aufzuhängen.

So ist der amerikanische Geheimdienst denn sicherheitshalber doch mit 250 eigenen Leuten vertreten. Daran ist man in Großbritannien gewöhnt. Als 1969 der damalige Präsident Richard Nixon von Premierminister Harold Wilson empfangen wurde, ließ der US- Geheimdienst sogar eigenes Wasser einfliegen, um einer Vergiftung durch englische Köche vorzubeugen.