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Bushehr steht vor Inbetriebnahme

Von Arian Faal

Politik

21. August als Stichtag für erste Brennstofflieferung anvisiert. | Festakt mit Russland-Vertretern geplant. | Bau des AKW begann schon vor der Revolution. | Teheran/Wien. Seit Jahren wird darüber gesprochen, nun ist es offenbar soweit: Das erste iranische Atomkraftwerk soll in Betrieb gehen. Mit russischer Hilfe wollen die Perser voraussichtlich am 21. August, spätestens aber Anfang September damit beginnen, den Reaktor in Bushehr 30 Jahre nach Baubeginn mit Kernbrennstoff zu bestücken.


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Der Bau der Atomanlage war noch vor der Iranischen Revolution im Jahr 1979 vom deutschen Siemens-Konzern begonnen, im Zuge des irakisch-iranischen Kriegs 1980 aber eingestellt worden. 1994 nahmen russische Ingenieure das Projekt wieder auf und wollten es zunächst bis 1999 fertigstellen. Doch von Moskau kolportierte technische Probleme verzögerten das Hochfahren immer wieder. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen.

Ein Sprecher der russischen Atomenergiebehörde Rosatom erklärte am Freitag, dass Bushehr ab dem Moment, wo sich Kernbrennstoff im Reaktor befinde, offiziell als Atomanlage zu betrachten sei. Dies sei die Grundvoraussetzung zum Start der mit Moskaus Hilfe gebauten 1000-Megawatt-Anlage. "Bis in Bush ehr allerdings alles funktioniert und betriebsbereit ist, wird es noch eine Weile dauern", so der Sprecher weiter.

Erstmals war im Jänner 2008 nuklearer Brennstoff nach Bushehr geliefert worden. Schon damals hagelte es internationale Kritik, da der Westen vermutet, dass die Anlage in Wirklichkeit zum Bau von Atomwaffen diene. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte noch im Frühling ohne Erfolg gefordert, das Projekt in Bush ehr solle deshalb gestoppt werden.

"Wir werden der Welt beweisen, wer wir sind. Wenn der Westen glaubt, wir lassen uns durch Drohgebärden, Sanktionen oder Einschüchterungen unsere Rechte nehmen, dann täuscht er sich gewaltig. Der Iran hat bewiesen, dass er sich nicht beeinflussen lässt in der Atomfrage und wird auch weiterhin die Kernenergie friedliche nutzen", wies der erzkonservative Ayatollah Ahmad Jannati jegliche Kritik zurück. Das russisch-iranische Prestigeprojekt im Süden des Landes hat weitaus größere symbolische als nukleare Bedeutung. Für den Gottesstaat ist es ein weiteres Mittel, um zu demonstrieren, dass man ungeachtet der jüngsten Sanktionspakete der Vereinten Nationen, der EU und der USA weiterhin an seinem Atomprogramm festhalte. Daher soll auch die offizielle Inbetriebnahme der umstrittenen Anlage medial aufbereitet und von einem Festakt begleitet werden. Neben der iranischen Polit-Prominenz sollen auch zahlreiche russische Vertreter, unter ihnen der Rosatom-Chef Sergej Kirijenko, in den Iran kommen.

Weltweite Sorge über Ashtianis Schicksal

Indes häufen sich im Fall der von der Hinrichtung bedrohten Perserin Sakineh Mohammadi Ashtiani die kritischen Stimmen, und man hofft insgeheim auf Ex-Präsident Ali Rafsanjani, der sich im Fall mildernd für die Angeklagte einsetzen soll. Am Donnerstag hatte das iranische Fernsehen ein offenbar unter Folter erzwungenes Geständnis der Iranerin veröffentlicht. Der Generalsekretär von Amnesty International in Österreich, Heinz Patzelt, sprach im ORF von einer "widerwärtigen Inszenierung der Regierung in Teheran". Zuerst sei die Frau "völlig absurd" wegen Ehebruchs angeklagt und mit Steinigung bedroht gewesen, dann habe der "ganz massive Druck" des Westens die Regierung zu einer "Pseudorevisionsankündigung dieses Urteils" geführt, so Patzelt. Auch Berlins Außenamt forderte, dass die Hinrichtung ausgesetzt werde. Doch das iranische Regime zeigte sich unbeeindruckt. Ein Angebot des brasilianischen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der der Verurteilten politisches Asyl angeboten hatte, wies Teheran umgehend zurück.