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BZÖ fordert "Arbeitsmarktreife" nach Pflichtschulzeit

Von Josef Bucher

Gastkommentare
Josef Bucher ist Klubobmann des BZÖ.

Investitionen in Bildung der Kinder machen sich später bezahlt. Standards und Kompetenzen im Kindergarten sollen vereinheitlicht werden.


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Wir befinden uns in Österreich in einer dramatischen Spirale nach unten. Die Wirtschaft ist rückläufig, die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch an und die Menschen haben immer weniger Geld für den Konsum und überhaupt das tägliche Leben zur Verfügung. Insbesondere im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit wird die Situation immer schlimmer. Mir ist schon bewusst, dass es sich hier hauptsächlich um globale Probleme handelt, die der einzelne Politiker in Österreich nicht lösen kann, es gibt aber Maßnahmen, die die rot-schwarze Bundesregierung umsetzen könnte, um die Jugendarbeitslosigkeit zu lindern.

Das BZÖ schlägt die Einführung einer "Arbeitsmarktreife" nach der Pflichtschulzeit vor. Die Fakten: 27,5 Prozent von Österreichs Jugendlichen haben eine Leseschwäche. Jeder siebente Pflichtschulabgänger kann nicht schreiben und lesen. 75.000 Jugendliche haben keinen Pflichtschulabschluss und sind auch nicht in Ausbildung. Gleichzeitig suchen gerade kleine und mittlere Unternehmen verzweifelt qualifizierte Lehrlinge. Die unqualifizierten Jugendlichen von heute sind die Sozialhilfeempfänger von morgen. Mit dieser Arbeitsmarktreife könnte man den Pflichtschulabschluss, der derzeit nur ein zeitlicher Abschluss ist, massiv aufwerten und gleichzeitig den Unternehmen eine Vergleichbarkeit und auch die Sicherheit betreffend der Kompetenzen der Lehrstellenwerber geben. Die Arbeitsmarktreife nach Pflichtschulende kann als "mittlere Matura" gesehen werden. Mit diesem Qualifikations-Check wollen wir die Jugendarbeitslosigkeit aktiv bekämpfen und auch den Lehrberuf aufwerten. Denn wir schaffen es noch immer nicht, die vielen offenen Lehrstellen zu füllen.

Tatsache ist, dass eine gute Ausbildung sowohl den Menschen als auch den Unternehmen eine Reihe an Chancen ermöglicht. Daher muss bei der kindlichen Frühförderung, also bereits im Kindergarten, angesetzt werden. Eine Studie besagt, dass jeder Euro, der in die frühkindliche Bildung investiert wird, mindestens acht Euro volkswirtschaftlichen Nutzen bringt. Es muss daher vor Schuleintritt vor allem die sprachliche Entwicklung gefördert und dann auch beurteilt werden. Um in diesem Bereich tätig zu werden, müssen auch im vorschulischen Bereich die Kompetenzen in Österreich vereinheitlicht werden. Wir brauchen etwa bei der Gruppengröße oder bei der Raumausstattung österreichweit einheitliche Rahmenbedingungen, flexible Öffnungszeiten, eine Aufwertung der Ausbildung der Kindergartenpädagogen und deren Assistenten sowie ein einheitliches Gehaltschema.

Ich appelliere an die Regierung, diese BZÖ-Vorschläge umzusetzen. Leider herrscht bei SPÖ und ÖVP derzeit nur Stillstand und gegenseitige Blockade. Leidtragende dieser verheerenden Politik sind die Menschen und das Land. Gerade im Bildungsbereich gibt es sehr viel zu tun. Nach dem Bildungsvolksbegehren ist dieses wichtige Thema wieder eingeschlafen, aber jetzt ist keine Zeit mehr für Stillstand. Die Regierung soll endlich handeln und durch diese Maßnahmen den jungen Menschen sowie den Unternehmen mehr Chancen ermöglichen.