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BZÖ: Sextäter an die Öffentlichkeit

Von Katharina Schmidt

Politik

Westenthaler für Information des "Lebensumfeldes". | Verein "Neustart" für Bewährungshilfe.


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Wien. "Sofortmaßnahmen zum Schutz unserer Kinder" hat BZÖ-Chef Peter Westenthaler am Montag gefordert. Unter anderem möchte er bei einer Haftentlassung das "Lebensumfeld" des Täters informieren, etwa über einen Aushang auf dem Gemeindeamt. Zudem fordern die Orangen in schweren Fällen "wirklich lebenslange Haft".

Westenthaler lehnt sich mit seiner Forderung nach der Information der Bevölkerung an eine umstrittene US-amerikanische Praxis an. Dort werden die persönlichen Daten von vorbestraften Triebtätern in der Internet-Datenbank "National Sex Offender Public Registry" veröffentlicht. Vor kurzem hat ein Mann im Bundesstaat Maine zwei Sexualstraftäter erschossen, deren Adressen er sich über diese Liste beschafft hatte.

Eine ähnliche "Lynchjustiz" wäre auch in Österreich zu befürchten, wenn Westenthalers Vorschlag Gehör fände, glaubt Andreas Zembaty vom Verein "Neustart" für Opfer- und Täterhilfe. Zudem bräuchte es dazu eine Gesetzesänderung. Denn wer öffentlich jemanden mit dessen verbüßter Strafe konfrontiert, kann mit bis zu sechs Monaten Haft bestraft werden, so Zembaty.

Auch Westenthalers Argument, die Rückfallquote von Triebtätern liege bei 60 bis 70 Prozent, sei "nicht haltbar". Die meisten Sextäter könnten mit der Unterstützung von Therapeuten, Bewährungshelfern und Maßnahmen wie der elektronischen Fußfessel von einem neuerlichen Übergriff abgehalten werden.

Der Papa am Kirchentor

Wie Zembaty setzt sich die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits für Resozialisierung und Prävention ein: "Nur wegsperren nützt nichts", sagt sie. Vom BZÖ-Vorschlag hält sie "überhaupt nichts, denn gerade Kindesmissbrauch geschieht meist innerhalb der Familie. Was hat das Kind davon, wenn dann der Papa oder der Onkel auf dem Kirchtor pickt?"

Von einer Erhöhung des Strafrahmens will die Expertin ebenfalls nichts wissen, denn dann würden etwa Familienerhalter eventuell lebenslang inhaftiert. Die Angst davor führe dazu, dass "dann gar keiner mehr hinschaut", wenn es zu einem Missbrauch innerhalb der Familie kommt.