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Camp David

Von Reinhard Göweil

Leitartikel
Chefredakteur Reinhard Göweil.

Vor 33 Jahren schlossen - unter Vermittlung des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter - Israel und Ägypten das Camp-David-Abkommen. Es sorgte bis zum jüngsten Sturm eines Kairoer Mobs auf die dortige Botschaft Israels für einen "kalten Frieden" zwischen diesen beiden Staaten. Nun sollten sich alle Beteiligten mit dem Gedanken anfreunden, dass es eines neuen Abkommens bedarf, um den Nahen Osten nicht zur Explosion zu bringen.

Das ägyptische Regime wurde weggefegt, Muammar Gaddafi ist Geschichte, das syrische Regime wird wohl fallen. Die Türkei stürzt sich so offensiv in die Nahostpolitik, dass sie die USA damit zu überraschen scheint. In Israel protestieren seit Wochen Hunderttausende gegen die Politik Benjamin Netanyahus. Der Iran bastelt eine Atombombe - allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz. Nächste Woche steht ein Palästinenserstaat wenigstens auf der Tagesordnung der UN-Vollversammlung.

Der Nahe Osten wurde immer als die größte Gefahr für den Weltfrieden genannt, nun brodelt es erneut in dieser Region. Die Türkei schickt Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer und verschiebt dort die Machtbalance. Ägyptens Militär kann oder will den Sinai nicht mehr kontrollieren. Israel steht vor neuen Bedrohungen.

Nun gibt es viele Diplomaten, die davor warnen, das bestehende Camp-David-Abkommen aufzuschnüren, weil ein neues sehr unwahrscheinlich sei. Es wäre vermutlich auch nur mit Beteiligung der Türkei möglich.

Aber es braucht eine neue Initiative in der Region, die jetzige Mischung beginnt schon gefährlich zu reagieren. Und die Welt insgesamt kann einen aufkommenden Nahost-Konflikt brauchen wie einen Kropf.

Wenn die USA und die EU noch bei Sinnen sind, dann werden sie versuchen, entweder statt oder neben jenem von Camp David ein neues Abkommen zu schnüren. Dazu müssen sich die Araber bewegen, aber auch die israelische Regierung. Immer neue Siedlungen in den okkupierten Gebieten zu bauen, ist wenig hilfreich. Umgekehrt muss es den Israelis erlaubt werden, sich gegen die Raketenangriffe aus Gaza zur Wehr zu setzen. Dazu gehören strikte Kontrollen der Lieferungen dorthin. Und der türkischen Regierung muss klargemacht werden, dass auch ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das ist viel Arbeit, vielleicht zu viel. Nichts tun wäre aber brandgefährlich.