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Canossagang zur Wahl

Von Walter Hämmerle

Leitartikel
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Die Erdbeben-Prognostik ist bekanntlich eine unsichere Branche. Entsprechend erwies sich die Ankündigung einer Enthüllung, "die Österreichs Innenpolitik in ihren Grundfesten erschüttern wird" (©"News"), als gut gemachter Theaterdonner. Die wesentlichen Fakten waren bereits bekannt, neu lediglich einige gleichwohl erhellende Details. Wobei: Der Skandal, der Österreichs Politik in ihren Grundfesten zu erschüttern vermag, ist noch nicht aufgedeckt.

An den Skandalen kann das nicht liegen, die hatten in den vergangenen Jahrzehnten durchaus das Zeug, die abgewohnte Inneneinrichtung der heimischen Parteien-WG als Trümmerhaufen zu hinterlassen. Allein, die Wähler sind ein ums andere Mal vor dem großen Bruch mit ihrer Gegenwart zurückgeschreckt. Zu rosig schillerte die verklärte Vergangenheit, zu süß klangen die Versprechungen nach Läuterung.

Ob die großflächige Rückkehr des Korruptionsthemas auf die Tagesordnung die Dynamik des Wahlkampfs verändert? Wenn, dann würden wohl am ehesten die Grünen profitieren; sie haben sich als Einzige eine bis dato weiße Weste bewahrt. Nicht ausgeschlossen aber, dass der große Rest der Parteienlandschaft vom anhaltend frustrierten Wahlvolk in einen Topf geworfen wird, ganz nach dem Motto: Alle haben’s Dreck am Stecken. Zu befürchten ist daher, dass die genaue Zubemessung von Schuld und Sühne an die einzelnen Adressen nicht mehr ins Tiefenbewusstsein vordringt.

Aber das Thema ist zurück, und dies ist - ungeachtet aller Spekulationen darüber, wer davon auf wessen Kosten profitiert - gut so. Wirksamer kann man als Wahlkampfmanager gar nicht daran erinnert werden, dass was einst unter den schlampigen österreichischen Verhältnissen gang und gäbe war, heute verlässlich vor Gericht führt; dass kriminelle Geldflüsse höhere Chancen auf Entdeckung haben als jemals zuvor; dass Politik eine moralische Verpflichtung zur Sauberkeit hat - und zwar schon aus ihrer ureigensten Logik heraus.

Kurz gesagt: Es kann nicht schaden, wenn die Politiker bei ihrer Tour durch Österreich zwecks Stimmenfangs auf Schritt und Tritt von den Sünden der Vergangenheit begleitet werden. Wahrscheinlich ist dieser höchstpersönliche Spießrutenlauf im Angesicht der Wähler wirkungsvoller als noch so viele Medienberichte. Hoffentlich zumindest.