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Caritas fordert mehr Unterstützung für dritten Arbeitsmarkt

Von Brigitte Pechar

Politik

Sozialminister Stöger verspricht Wiedereingliederungshilfe über einen Zeitraum von sechs Monate hinaus.


Wien. "Ich war Abteilungsleiter und Betriebsleiter im grafischen Gewerbe. Aber die Technologie hat diese Arbeitsplätze wegrationalisiert. Mit einer Qualifikation, die nicht mehr nachgefragt wird, und einem Alter jenseits der 50 schwinden die Chancen", schildert Wolfgang Raabel (57) den Weg in die Arbeitslosigkeit. "Ich war zu allem bereit", sagt er, aber seine Bewerbungen seien völlig ignoriert worden.

Vor einem Jahr habe er sich bei der "Jobmeile" der Caritas Wien informiert. Eine Jobmesse für Arbeitslose, die von der Caritas am Freitag bereits zum achten Mal in der Carla am Mittersteig veranstaltet wurde. Mehr als 40 Aussteller präsentierten dort Projekte und Initiativen für arbeitslose Menschen. Er habe im Vorjahr bei einem Stand der "Caritas SÖB jobaktiv" seine Kontaktdaten hinterlassen - und sei einige Wochen später kontaktiert worden. Jetzt arbeitet Herr Raabel bei Smartcraft, einem Start-up, das für Filmproduktionen grafische Requisiten und Film-Fakes herstellt - und zwar bereits als angestellter Mitarbeiter.

"Wir kontaktieren Firmen, Museen, Theater und fragen nach, welche Jobs gerade gebraucht werden. Auf der anderen Seite melden sich bei uns Menschen, die Arbeit suchen", erklärt Andreas Pawlowsky, Leiter von "Caritas SÖB jobaktiv". Bis zu sechs Monate lang wird ein Dienstverhältnis unterstützt, dann muss das Unternehmen den Mitarbeiter voll übernehmen.

Caritas-Präsident Michael Landau forderte am Freitag in einer Pressekonferenz im Rahmen der "Jobmeile" vom Bund den Ausbau des "dritten Arbeitsmarktes", also um staatlich geförderte Arbeitsplätze im geschützten Bereich. Er wünscht sich eine Flexibilisierung für die Dauer der Beschäftigungsprojekte: "Manchmal sind nicht sechs Monate die richtige Dauer, aber acht Monate, neun Monate." Für Raabel haben die sechs Monate gereicht, um angestellt zu werden, aber mache Wiedereinsteiger brauchen länger - und dafür ist das Programm zu wenig flexibel.

Sozialminister Alois Stöger (SPÖ), der ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm, will sich jedenfalls die Forderung nach einem Ausbau des dritten Arbeitsmarktes und die Flexibilisierung bei der Beschäftigungsdauer "genau anschauen". "Wenn es gute Argumente gibt - und die dürfte es geben -, dann muss man ganz praktisch daran arbeiten. Ich habe immer ein Interesse an Flexibilität, wenn es notwendig ist."

Im vergangenen Jahr waren 65.000 Personen mehr als zwei Jahre ohne Erwerbsarbeit, geht aus einer Auswertung des Arbeitsmarktservice hervor. Das Sozialministerium stellt für die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt heuer bis zu 100 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung, ab 2017 soll es bis zu 120 Millionen Euro mehr geben.