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Casinos-Anteile an Tschechen

Von Alexandra Mostýn

Wirtschaft

Donau Versicherung gibt 11,34 Prozent an Konsortium ab.


Wien/Prag. Im Spiel um die teilstaatlichen Casinos Austria hat die tschechische Austrian Gaming Holding a.s. am Donnerstag einen strategisch wichtigen Zug getan: Sie kaufte von der Donau Versicherung, die zur Vienna Insurance Group (VIG) gehört, 11,34 Prozent der Casinos Austria.

"Den Zuschlag haben wir den Tschechen aus zwei Gründen erteilt", erklärt der Sprecher der Donau Versicherung, Wolfgang Haas. Zum einen sei das preisliche Angebot bei weitem das beste gewesen, zum anderen habe die AGH ein Strategiepapier vorgelegt, in dem sie verspricht, den Standort Österreich zu erweitern. "Und sie haben auch ein klares Bekenntnis abgelegt, in Österreich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, zum Beispiel durch die Unterstützung lokaler Vereine oder anderer zivilgesellschaftlicher Aktivitäten", sagt Haas.

Technisch gesehen verkauft die Donau Versicherung ihre indirekten Anteile an den Casinos Austria durch den Verkauf ihrer 100-Prozent-Tochter Came Holding GmbH an die Austrian Gaming Holding a.s. Die Came Holding hält über die Medial Beteiligungs-GmbH (Medial) indirekt 11,345 Prozent Anteile an den Casinos Austria.

Deal mit branchenerfahrenen Superreichen

Hinter der Austrian Gaming Holding s.a. steht ein Konsortium bestehend aus der internationalen Investorengruppe KKCG mit dem Gründer Karel Komárek und der Lotterie- und Glücksspielgesellschaft Emma Capital mit dem Gründer Jiri Smejc. Zusätzlich soll auch ein österreichischer Investor als Partner mit an Bord geholt werden. Der Wiener Investor Peter Goldscheider ist mit seiner Firmat Epic noch mit im Rennen. Er und Karel Komarek sind seit mehr als 20 Jahren Geschäftspartner, mit Jiri Smejc ist der Wiener seit über fünf Jahren im Geschäft.

Komarek und Smejc gehören in ihrer Heimat zu den Top Ten der Superreichen, gelten als risikofreudig und dank ihrer Anteile an anderen europäischen Lotterien als branchenerfahren.

Öl-Tycoon Komarek fand im Jahr 2012 zum Glücksspiel, als er die größte tschechische Lotteriegesellschaft Sazka übernahm. Über die Sazka fand er sich mit Jiri Smejc zusammen. Dieser ist vor allem für die Expansion des tschechischen Kreditinstituts Home Credit auf dem russischen Markt bekannt, bei dem er einen 33-prozentigen Anteil besitzt. Zusammen mit der dazugehörigen Finance Bank zählt Home Credit zu einem der größten privaten Kreditinstitute. Im Jahr 2012 gründete Smejc seine eigene Investmentgesellschaft, die Emma Group. Deren Tochter Emma Delta besitzt zusammen mit Komareks KKCG Anteile an der griechischen Wettspielgesellschaft Opap.

"Bereit, mit österreichischen Partnern zu kooperieren"

"Wir weisen eine Erfolgsbilanz im Führen großer europäischer Glücksspielunternehmen auf und wir sind bereit, mit österreichischen Partnern zu kooperieren", sagt der Leiter der Investitionsabteilung der KKCG, Stepan Dlouhy. Man erkenne eine passende und sehr starke strategische Gemeinsamkeit zwischen den Casinos Austria auf der einen Seite und den Aktivitäten mit Saska und Opap auf der anderen Seite, so Dlouhý.

Mehrheitsaktionär der Opap ist der griechische Oligarch Dimitris Melissanidis, Spitzname "Tiger", der ein Imperium aus einem global agierenden Treibstoff- und Öllieferanten sowie Baufirmen mit weltweit 3000 Beschäftigten regiert. Gegen den Reeder läuft seit dem Jahr 2013 ein Verfahren wegen Kraftstoffschmuggel. Die Finanzbehörden ermitteln zudem wegen Geldwäsche.

Vor 13 Jahren war Karl Komarek mit einer unangenehmen Sache konfrontiert. Er zog gegen die schottische Firma Ramco Energy wegen Verleumdung zu Gericht. Ramco hatte von der britischen Beratungsfirma Hakluyt Erkundigungen über Komarek und seine Geschäfte einholen lassen. In dem Bericht, der sich laut Medienberichten "wie das Script eines Gangsterfilms" las, werden Komarek und sein Vater, der nach der Wende 1989 das Firmenimperium begründet hatte, als "unerreicht korrupte Betrüger und Gangster" bezeichnet. Komarek klagte Ramco. Die Klage wurde abgewiesen, Komarek zur Zahlung einer Geldstrafe von verdonnert.

Die niederösterreichische Novomatic wird den weiteren Verlauf der Transaktion mit den Tschechen genau beobachten. Es sei schade, "dass damit offenbar eine österreichische Lösung aufs Spiel gesetzt wird", so Novomatic-Sprecher Hannes Reichmann. Die Oligarchen könnten die Novomatic zugesagten Casinos-Anteile den Niederösterreichern nun vor der Nase wegschnappen, wenn sie von ihren Vorkaufsrechten Gebrauch machen.