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Castro feiert 80. Geburtstag

Von WZ Online

Politik
Das kubanische Online-Magazin Juventud Rebelde zeigt einen genesenden Fidel Castro.
© Juventud Rebelde

Havanna. Ist er ernsthaft erkrankt oder nicht? Überschattet von Spekulationen über seinen Gesundheitszustand hat der kubanische Staatschef Fidel Castro am Sonntag seinen 80. Geburtstag begangen. Zu den Feierlichkeiten im kleinen Rahmen wurde unter anderen Castros Verbündeter, der venezolanische Präsident Hugo Chávez, erwartet. Die kubanische Presse veröffentlichte erstmals seit zwei Wochen Fotos des angeschlagen wirkenden Revolutionsführers. Nach Berichten der staatlichen Medien kann er inzwischen wieder gehen.


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Der Chef der diplomatischen Mission der USA in Kuba, Michael Parmly, nahm überraschend an einem Konzert für Castro in Havanna teil. Der linkspopulistische venezolanische Präsident Chávez sagte vor 25.000 Anhängern in Caracas, er werde Castro "stellvertretend für euch alle umarmen" und dem "Máximo lider" Geschenke überreichen. Neben einer Geburtstagstorte werde er zwei Gegenstände aus dem Besitz des südamerikanischen Freiheitskämpfers Simón Bolivar mitbringen: einen Dolch sowie eine Porzellantasse mit einer Abbildung von Napoleon Bonaparte.

In der Online-Ausgabe der Zeitung der Kommunistischen Jugend, "Juventud Rebelde" erschienen am Sonntag auf der Titelseite vier Bilder Castros mit der Botschaft: "Ich fühle mich sehr glücklich". Castro ist dabei unter anderem neben einem Bett sitzend sowie telefonierend zu sehen. Er trägt eine rot-weiß-blaue Adidas-Trainingsjacke.

Laut dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas, "Granma", befindet sich Castro nach der Operation wegen Magen-Darm-Blutungen auf dem Weg der Genesung. Unter Berufung auf einen "Freund", der den Kranken "vor wenigen Stunden" besucht habe, berichtete das Blatt am Samstag, der "Lider" habe sich von seinem Krankenbett erhoben und sei nach einer Physiotherapie im Zimmer auf- und abgegangen. Dann habe er in einem Sessel Platz genommen und sich angeregt unterhalten. Er sei stark wie ein "Caguairán" (ein in Kuba vorkommender Hartholzbaum) und wirke, als wolle er "neue Siege erringen", hieß es in dem Artikel. Castro dankte dem kubanischen Volk für seine "liebevolle Unterstützung".

In Havanna nahmen mehrere tausend Menschen an einem Konzert zu Ehren Castros teil. Die offiziellen Geburtstagsfeiern wurden auf den 2. Dezember verschoben, den 50. Gründungstag der Revolutionären Streitkräfte Kubas. Während des Konzerts zu Ehren Castros neben der so genannten Antiimperialistischen Tribüne gegenüber der US-Mission war auch deren Chef Parmly unter den Zuhörern. Als er von Fotografen und Kameraleuten entdeckt worden war, verschwand er zwischen Studenten, die ebenfalls zu dem Konzert erschienen waren. Dutzende Künstler beteiligten sich an der Aufführung einer "Kantate für das Vaterland", unter ihnen die betagte Musikerin der weltbekannten Gruppe Buena Vista Social Club, Omara Portuondo.

Zu Beginn des Konzerts, das in Anwesenheit hoher Parteifunktionäre stattfand, unter ihnen Parlamentspräsident Ricardo Alarcón, wurde eine Erklärung verlesen, in der die "öffentlichen und geheimen Pläne" der USA verurteilt wurden, in Kuba einen Machtwechsel herbeizuführen. Aus Anlass von Castros Geburtstag wollten 120.000 Landarbeiter wie in den 60er Jahren nach der Revolution von 1959 eine Sonderschicht einlegen, um die Zuckerernte einzubringen, wie kubanische Medien berichten.

Castro wurde zuletzt am 26. Juli in der Öffentlichkeit gesehen. Anfang August ließ er mitteilen, dass er sich einer Darmoperation unterziehen musste und die Amtsgeschäfte "vorübergehend" an seinen Bruder und designierten Nachfolger, Verteidigungsminister Raúl Castro, übergebe. Die Gesamtverantwortung für die Planwirtschaft der Karibik-Insel tragen ebenfalls "vorübergehend" drei weitere Mitglieder der Führungsriege - Außenminister Felipe Perez Roque, Vizepräsident Carlos Lage Davila und Zentralbank-Chef Francisco Soberon Valdes. Dass seit der Machtübertragung keiner der beiden Brüder mehr öffentlich in Erscheinung trat, hatte Spekulationen angeheizt, Castros Zustand könnte sehr viel ernster und hinter den Kulissen bereits ein Machtkampf über seine Nachfolge entbrannt sein.