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"CEOs on Wheels" kämpft weiter gegen die Barrieren im Kopf

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
Begegnungen: Beim Fachsimpeln wird der Rollstuhl zur Nebensache.
© Achim Bieniek

Der Alltag von Rollstuhlfahrern steht im Fokus eines österreichischen Projekts.


Wien. Er kenne jetzt "die andere Seite" sehr gut, resümiert Michael Maier, Leiter des Personalmanagements der Wien Holding, über seine Teilnahme am Mentoringprojekt "CEOs in Wheels". Elf Paare - Mentoren/Mentorinnen und Mentees - haben sich im ersten Durchgang der Initiative gefunden. Führungskraft Maier wurde mit der Studentin Rececca Miksits zusammengespannt. Sie zeigte ihm, wie sich der Alltag als Rollstuhlfahrerin gestaltet, er gab ihr Einblick in seinen beruflichen Alltag. Er habe dadurch gelernt, wie man "eine gewisse Normalität" im Umgang mit Menschen im Rollstuhl erreicht, sagt Maier.

"CEOs on Wheels" ist ein privates Projekt des selbständigen Wiener Führungskräfte-Coachs Michael Sicher. Er sitzt aufgrund einer Krankheit im Kleinkindalter im Rollstuhl und kennt die Herausforderungen, die sich mit dieser körperlichen Behinderung stellen von seiner ersten Bewerbung für einen Ferialjob bis hin zum Schritt in die Selbständigkeit.

Im Spätherbst 2011 startete Sicher das Projekt "CEOs on Wheels" mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch zwischen Top-Managern und Menschen im Rollstuhl zu ermöglichen und zu fördern, Barrieren im Kopf abzubauen und Unternehmen zu zeigen, dass Menschen mit einer körperlichen Behinderung hervorragende Leistungen erbringen können.

Sicher stellte den Kontakt zwischen CEOs und qualifizierten Menschen im Rollstuhl her und organisierte Workshops für Personalverantwortliche. Begleitet wurde das Projekt durch eine Studie von Heike Mensi-Klarbach der Abteilung Gender und Diversitätsmanagement an der WU Wien. Nun zog Michael Sicher Zwischenbilanz nach einem Jahr Mentoring. "Es ist ein sehr gutes Gefühl zu sehen, wie engagiert Mentoren und Mentees in dieses Projekt gegangen sind und viel für sich persönlich mitnehmen konnten", sagt Sicher.

Sehr aufschlussreich, wenngleich nicht nur positiv, fielen die Ergebnisse der Studie aus. "Die Mentorinnen und Mentoren geben an, nach anfänglichen Berührungsängsten im Rahmen des Programms gelernt zu haben, mit Menschen im Rollstuhl umgehen zu können und dabei in erster Linie den Menschen mit seinen Qualitäten zu sehen, nicht etwa die körperliche Behinderung der Person", heißt es darin.

Es würden derartige Erkenntnisse aber in den Unternehmen zu wenig greifen. Die Anstellung von Menschen mit Behinderung würde zu sehr als eine "soziale Leistung des Unternehmens" gesehen, anstatt dass das Potenzial dieser Menschen als solches als Bereicherung gesehen würde.

Der "CEOs on Wheels"-Initiator ging nun einen Schritt weiter und gründete zwischenzeitlich als Trägerorganisation für die weiteren Aktivitäten den Verein "High Rollers" und hofft auf eine möglichst große Zahl fördernder Mitglieder. Als Start-Up-Sponsoren konnte er bereits Wien Holding und Raiffeisen Versicherung (Gold-Partner) und Simacek Facility Management (Silber-Partner) gewinnen.

"Wir unterstützen die Initiative von Herrn Sicher, weil wir finden, dass gescheite Leute ihren Platz im Berufsleben bekommen sollen - mit oder ohne Rollstuhl", sagt Sigrid Oblak, Geschäftsführerin der Wien Holding.

Sicher ist schon dabei, die zweite Runde von "CEOs on Wheels" zu organisieren. Erste Interessenten dafür haben sich bereits gemeldet. Gegenüber der ersten Runde wird das Programm auch um eine Reihe von Workshops erweitert.

www.highrollers.atwww.ceosonwheels.at