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Ceyhan bald ein zweites Rotterdam

Von Martyna Czarnowska

Wirtschaft

Große Eröffnungsfeier in Ceyhan. | Weltweit teuerste Rohöl-Pipeline. | Ceyhan. Allein die Energiekosten für die Klimaanlagen in den Festzelten für 1300 Gäste müssen immens gewesen sein. Doch wie viel Geld in die Feierlichkeiten geflossen ist, wollten die türkischen Behörden nicht verraten.


Der Pomp war jedenfalls groß, mit dem die Eröffnung der BTC begangen wurde, der 1770 Kilometer langen Pipeline, die Öl von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku über das georgische Tiflis in den südtürkischen Hafen Ceyhan transportiert. Drei Staatspräsidenten, mehrere Premiers und dutzende Energieminister waren gestern, Donnerstag, ins südosttürkische Ceyhan geladen, tags zuvor nahmen sie an einem Staatsbankett in Istanbul teil.

Um sich als wichtiger Partner für Europa in der Energieversorgung zu präsentieren, scheut die Türkei weder Mühe, noch Kosten. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die BTC gar als wichtigstes Projekt der Türkei.

Visumpflicht abgeschafft

Von einer "neuen Ära" in der Partnerschaft und gemeinsamen Entwicklung der Region sprach der georgische Präsident Michail Saakaschwili. Die Beziehungen zwischen den Ländern werden auf eine völlig neue Stufe gestellt - mit konkreten Auswirkungen auch für die Bürger. So haben Georgien und die Türkei die Abschaffung der Visumpflicht beschlossen.

Doch das kaum weniger bedeutende Ereignis fand bereits vor eineinhalb Monaten, ganz ohne Marschmusik statt. Ende Mai legte der erste Tanker, "The British Hawthorne", von Ceyhan ab und nahm Kurs auf Italien. Beladen war er mit 600.000 Barrel Rohöl aus der in Baku bereits vor einem Jahr eröffneten Pipeline. Sechs Monate ist das Öl von einem Ende der Leitung zum anderen unterwegs, 10 Mio. Fass braucht es, die Rohre zu füllen.

Zwei Tage vor dem G8-Gipfel, bei dem Russlands Präsident Vladimir Putin mit den Spitzen der sieben führenden westlichen Industrienationen heiße Energiediskussionen führen wird, verweist die Türkei noch einmal besonders gerne darauf, dass die BTC einen Transportweg darstellt, der Russland und den Iran umgeht. Schon seit längerem sucht die EU nach Möglichkeiten, die Abhängigkeit von russischen Öl- und Gaslieferungen zu lockern. Eine Alternative könnte die BTC sein. Künftig soll in Ceyhan eine Million Barrel Öl pro Tag verladen werden. Die Kosten für den Bau der weltweit bisher teuersten Rohöl-Pipeline - durch ein internationales Konsortium unter Führung von BP - beliefen sich auf rund vier Milliarden Dollar.

Große Öl- und Gaslager im Kaspischen Meer

Experten gehen davon aus, dass die Erdölvorräte im Kaspischen Meer mit denen in der Nordsee vergleichbar sind. Die drei wichtigsten Felder Aserbaidschans unter dem Meer enthalten ungefähr fünf Milliarden Barrel Öl. Hinzu kommen 600 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Über noch größere Vorräte verfügt Kasachstan, das sich an der BTC-Pipeline ebenso beteiligt. Rund 30 bis 40 Milliarden Barrel soll allein das Kaschagan-Ölfeld umfassen.

Schon plant die Türkei weitere Pipelines. So soll Gas aus dem Schwarzen Meer über Samsun nach Ceyhan transportiert werden, ebenso wie jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Turkmenistan. Auch aus dem kaspischen Raum will die Türkei Gas nach Westeuropa liefern.

Geht es nach den Plänen Ankaras, so soll Ceyhan bald ein zweites Rotterdam werden - eine der wichtigsten Drehscheiben für den Transport von Erdöl und Gas.