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Champion der Ausreden

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

Die Hölle, das sind bekanntlich immer die anderen - wenn man den Salzburgern nach dem 0:3 gegen Malmö FF so zuhört, dann die Schweden, die sich dreisterweise nicht ihrem Schicksal ergaben und jetzt aus Marcel Sabitzers Sicht unverdient in der Champions League stehen, Sadio Mané, der mit seiner selbstverschuldeten Eliminierung aus dem Kader gleich das ganze Gefüge über den Haufen gehaut hat, wie Kevin Kampl sinngemäß erklärte, und die Klubs in der österreichischen Liga im Allgemeinen. Die sind bekanntlich Dosenfutter, dabei will man doch nur Kaviar; soll heißen: Die Rieds und Altachs sind halt zu schwach, um die ihnen von Salzburg zugedachte Rolle als Sparringpartner für die Champions League auszufüllen.

Nun ja, man kann diese im Eifer der Emotionen gefallenen Reaktionen ja irgendwie nachvollziehen. Schließlich gilt die typisch-österreichische Ausrede fürs Scheitern im internationalen Fußball - die anderen hätten eben mehr Geld - in diesem Fall nicht: Der Kader Salzburgs ist in etwa fünfmal so teuer wie jener Malmös.

Doch auch die anderen Erklärungsversuche für die Niederlage greifen zu kurz: Ein solcher Kader muss selbst ärgerliche Aktionen wie jene Manés aushalten. Und der Trainer muss in der Lage sein, einen Plan B zu implementieren, der auf den Gegner abgestimmt ist. Adi Hütter ist das nicht gelungen. Nicht nur, dass die umgestellte Abwehr nicht funktionierte, kam die gesamte Mannschaft mit der körperbetonten Spielweise der Schweden überhaupt nicht zurecht. Dabei sollte es eigentlich kein großes Geheimnis sein, dass die das ganz gut beherrschen. Und den Aufstieg haben sie geschafft, obwohl ihre Liga auch nicht die stärkste ist; ebenso wie etwa der bulgarische Klub Ludogorez Razgrad. Das können also nicht die wahren Gründe für die Niederlage gewesen sein. Vielleicht findet man sie ja noch mit ein bisschen Innenbeschau - anstatt sich zum Champions-League-Sieger der Ausreden zu machen.