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Chance für Thurnher

Von Peter Bochskanl

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Bereits um 7 Uhr reagierte gestern der ORF mit einer "ZIB Spezial" auf die Eskalation der Ereignisse in Libyen und das nahende Ende des Gaddafi-Regimes. Rasche Information, so gut sie eben aufgrund der sich überstürzenden Ereignisse möglich war. In der nächsten "ZIB"-Sendung um 9 Uhr kaum mehr Information, aber ein Kommentar von Außenpolitik-Chef Andreas Pfeifer. Der dämpfte aufkommenden Hurra-Optimismus über einen schon erfolgten Sturz des Diktators und bot mit seiner nüchternen Analyse Halt in der verworrenen Nachrichtenlage. Ein Bericht rief die Ereignisse der letzten sechs Monate in Erinnerung. Wie immer in außenpolitischen Stresssituationen reagierte das ORF-TV rasch und informativ.

In der Innenpolitik ist das in Zeiten gähnender Langeweile nicht immer so. Am Samstag verzettelte sich die "Zeit im Bild" in den für die Zuseher völlig uninteressanten Henne-Ei-Steit, wer zuerst die Notwendigkeit der Unterstützung arbeitsloser Migranten erkannt hat, Arbeitsminister Hundstorfer mit der Ankündigung einer Pressekonferenz oder Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz mit seiner Forderung im O-Ton. Eine schulmeisterliche Schlagseite gegen Kurz ("prescht vor", "rennt offene Türen ein") zur Seher-"Orientierung" durfte nicht fehlen. Nach zwei, durch wenig informative Straßeninterviews zerhackten, aber ansonsten doch routinierten Sommergesprächen könnte Ingrid Thurnher heute Wind in die innenpolitische Flaute bringen: Wenn es ihr gelingt das Stehsatz-Dauerfeuer von FPÖ-Chef Strache abzuwehren und ihm mehr als nur plumpe Anschuldigungen und Verdächtigungen zu entlocken.