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Chancen und Gefahren für Kinder im Internet

Von Martin Sattler

Politik
Eltern unterschätzen die Gefahren im WWW. bilderbox

Kongress "Kinder und Medien" wollte Eltern wachrütteln. | Wien. 20 Prozent der im Internet surfenden Kinder waren schon Ziel eindeutiger sexueller Annäherungen. In Chatrooms dauert es im Schnitt 20 Minuten, bis einem Kind pädophile Angebote gemacht werden. Mit diesen erschütternden Zahlen wurden vergangene Woche die Zuhörer beim Kongress "Kinder und Medien" wachgerüttelt.


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In den letzten Jahren hat sich das globale Dorf zu einer globalen Großstadt mit eigenen Regeln entwickelt. Internationale Anbieter mit Sitz in exotischen Regionen, die mit extremistischen und pornografischen Inhalten das Internet überschwemmen, stellen eine ernste Bedrohung für Kinder dar, sind jedoch für nationale Behörden kaum greifbar.

Wie können Kinder vor nicht kindergerechten Inhalten im Netz geschützt werden? Thomas Lutz, Sprecher von Microsoft Österreich, sieht hier die Verantwortung bei den Eltern. "Ich schnalle meine Kinder ja auch selber im Auto an, um sie zu schützen", so Lutz. Viele Eltern würden aber die Gefahren im WWW stark unterschätzen. So glauben nur 15 Prozent, dass ihre Kinder ungewollt auf Sexseiten gelangen können. Tatsächlich geschieht dies aber bei 44 Prozent der minderjährigen Surfer.

Computer als Zeitdieb

Lutz appelliert daher dafür, dass Eltern die heimischen PCs besser schützen, zum Beispiel durch eigene Kinderprofile, Spam-Filter und Blocker für Seiten bestimmten Inhalts. Weiters sollten die Sprösslinge bereits in den Schulen über Gefahren und Probleme des Internets aufgeklärt werden. Dafür sei aber in den Lehrplänen kein Platz, kritisiert der Microsoft-Specher.

Stefan Aufenanger von der Universität Mainz sieht in den Neuen Medien vor allem die Gefahr der Manipulation für junge und unerfahrene Nutzer. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind für Kinder nur schwer erkennbar. Das Fernsehen droht, das Weltbild zu prägen. Laut Studien schätzen häufige Krimiseher die Verbrechensraten bedeutend höher als andere Bürger ein.

Außerdem seien PCs wahre Zeitdiebe, was zu Abschottung und Vereinsamung vieler Jugendlicher führe. "Früher dauerten Brett- oder Kartenspiele wenige Stunden. Heuer verbringen die Kids ganze Tage mit Computerspielen", so Aufenanger.

Trotzdem sieht der Professor aus Mainz auch Vorteile im Umgang mit den technischen Neuheiten. Durch das Spielen mit Tamagotchis, den virtuellen Haustieren, lernen Kinder schon früh, Verantwortung zu übernehmen. Einfach einzurichtende Blogs, also Tagebücher im Internet, steigern ferner die Fantasie und Kreativität. Kinder sind deshalb heute kompetenter und selbstsicherer als noch vor zehn Jahren.

TV erweitert Horizont

Daneben widerlegt Aufenanger die These, dass Fernsehen zwangsläufig "dick und dumm" mache. Heute gibt es zahlreiche Wissenschaftsserien, die den Horizont der Kinder erweitern und ihnen komplizierte Themen aus Technik und Naturwissenschaft leichtverständlich präsentieren.

Welche Angebote in Internet und Fernsehen sind denn nun ungefährlich und kindergerecht? Einige Vereine und öffentliche Stellen haben sich darauf spezialisiert, angebotene Inhalte auf Kindertauglichkeit zu analysieren, Empfehlungen zu gefahrlosem Umgang mit Medien zu geben und Vätern und Müttern eine Orientierungshilfe zu bieten. "Eltern sollen ihre Kinder nicht vor Medien bewahren, sondern an eine kompetente Mediennutzung heranführen", so die deutsche Medienpädagogin Elke Sauerteig.

Medienwissen gefragt

Wie wichtig Medienkompetenz heute ist, erklärt Mechthild Appelhoff, Vorsitzende einer Internet-Lernplattform: "In der Informations- und Wissensgesellschaft entscheidet die Frage, ob Kinder und Jugendliche mit Medien kompetent umgehen können, in hohem Maße darüber, welche Bildungs- und Entfaltungschancen sich ihnen eröffnen. Deshalb ist es besonders wichtig, Eltern über die zentrale Bedeutung der Medienkompetenz aufzuklären."

Mehr unter...

www.saferinternet.at (Tipps für sicheres Internet-Surfen)

www.flimmo.tv (Bewertung des TV-Kinderprogramms)

www.schau-hin.info (Nützliche Hinweise für Eltern)