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Chaos als Methode

Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

Politik

Anstatt die Entlassung von FBI-Direktor James Comey abzuhaken, gießt US-Präsident Trump weiter Öl ins Feuer.


Washington D.C. Die Wahrheit ist ein hohes Gut und früher war soundso alles besser, und das obwohl es noch kein Twitter gab. Freitagmorgen setzte US-Präsident Donald Trump wieder einmal eine Serie von Tweets ab, wie fast jeden Tag in dieser für ihn stressigen Woche.

Inhaltlich drehte sich diesmal alles ums Thema Wahrheit. Mit dem steht er, wie hinlänglichst faktisch belegt, nicht erst seit seinem Amtsantritt auf permanentem Kriegsfuß. Laut Trump sei es, nur zum Beispiel, ganz und gar unmöglich, von seinen Pressesprechern "zu verlangen, dass sie immer genau wissen, wovon sie reden", weil es einfach zu viele Dinge gebe, mit denen er sich beschäftige. Den chinesischen Markt für amerikanisches Rinderfleisch zu öffnen, etwa: "Das sind die wahren Neuigkeiten"; und nicht das, was die Angehörigen der "Fake News Media" - aus seiner Sicht alle, die nicht für Fox News, Breitbart oder eine beliebige Verschwörungstheorie-Website arbeiten - so alles berichten.

Als Lösung für das Dilemma in seinem Kopf erwägt Trump deshalb jetzt, die täglichen Pressebriefings des Weißen Hauses abzuschaffen "und sich künftig nur mehr auf schriftliche Aussendungen zu beschränken". Eine mit hoher Wahrscheinlichkeit leere Drohung, die sich angesichts der Unberechenbarkeit des 70-jährigen Ex-Reality-TV-Stars aber auch nicht ausschließen lässt. (Was im Lichte des Chaos, das sein Kommunikationschef Sean Spicer und dessen diese Woche in den Mittelpunkt gerückte Stellvertreterin Sarah Huckabee-Sanders zu verantworten haben, nüchtern besehen nicht einmal die schlechteste Idee wäre.) Im Übrigen solle "James Comey besser darauf hoffen, dass es von unseren Unterhaltungen keine Mitschnitte gibt, bevor er anfängt, den Medien Informationen zuzuspielen."

Aufschrei der Demokraten

Weder ist über die Absichten Comeys etwas Derartiges bekannt noch ergibt diese Botschaft außerhalb von Trumps Universum auch nur einen Hauch von Sinn, aber zur Erinnerung: Mitte der Woche hatte Trump den Direktor der Bundespolizei FBI entlassen. Das ist jene Behörde, die seit Sommer vergangenen Jahres Spuren nachgeht, dass Mitglieder seiner Wahlkampftruppe mit Repräsentanten von Wladimir Putins Russland zusammengearbeitet haben, um ihn ins Weiße Haus zu bringen. Unter anderem bestätigte James Clapper, als früherer Director of National Intelligence, einst höchstrangiger Koordinator der Sicherheitsdienste, dass die Russen im vergangenen Jahr viel Zeit und Geld aufgewendet haben, um Trump und seiner Familie zu helfen.

Obwohl sie gegen Ende des Wahlkampfs auch nicht mehr viel für ihn über gehabt hatten, folgte Comeys Entlassung ein Aufschrei der Demokraten, in den in der Folge eine kleine, aber bemerkenswerte Gruppe von Republikanern einstimmte. Nachdem Trump und seine Mitarbeiter nicht nur diesen, sondern auch seine Lautstärke unterschätzt hatten - übereinstimmenden Berichten zufolge hatte er sogar geglaubt, für den Schritt Applaus zu bekommen - und sein Kommunikationsteam an der Aufgabe, für Comeys Rausschmiss auch nur eine plausible Begründung zu finden, glorios scheiterte, übte er sich in der Flucht nach vorn. Nachdem er eine Exekutive Order unterschrieb, die für eine Lösung eines weiteren inexistenten Problems (Wahlbetrug) sorgen soll, gab er NBC-Starmoderator Lester Holt ein Interview, in dem der Präsident seine Sicht der Dinge darlegte. Laut Trump sei Comey - ein innerhalb seiner Behörde angesehener Mann (wie auch der nunmehrige Interimsdirektor Andrew McCabe bestätigte) - ein "Showboat", ein Effekthascher, der zu gern im Mittelpunkt sehe und auch deshalb einen "schlechten Job" gemacht habe. Wer auch immer sein Nachfolger werde, werde einen "fantastischen", "großartigen", "wunderbaren" Job machen. Eben ganz so wie Trump selbst.