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Chavez beliefert den Iran mit Benzin

Von Arian Faal

Wirtschaft

Verbündeter Venezuela hilft Teheran aus seiner Wirtschaftskrise. | Teheran/Paris. "Hoch lebe die Achse Teheran-Caracas", riefen Irans Wirtschaftsexperten anlässlich des Besuches von Venezuelas Präsident Hugo Chavez in Teheran am Sonntag. Der Verbündete Teherans hatte zu einem Zeitpunkt, zu dem der Westen über ein neues Maßnahmenpaket gegen das Atomprogramm der Perser beraten will, gute Nachrichten im Gepäck: Venezuela will dem wirtschaftlich angeschlagenen Iran mit 20.000 Barrel Benzin täglich aushelfen.


Die Lieferungen im Wert von 800 Mio. Dollar würden im Oktober beginnen, sagte Chavez in der Stadt Mashad im Nordosten des Landes. Im Gegenzug wolle Venezuela vom Iran Ausrüstung und Technologie kaufen.

Die Hilfe aus dem lateinamerikanischen Land ist für die Perser buchstäblich eine Rettung in letzter Sekunde. Denn um die Wirtschaft Irans ist es nicht gerade rosig bestellt. Der Iran ist zwar der zweitgrößte Erdölexporteur der Opec, doch es fehlen funktionierende Raffinerien. Daher müssen 40 Prozent des Benzinbedarfs importiert werden.

"Der Iran bemüht sich, eine moderne Wirtschaft aufzubauen. Die Bodenschätze sind reichhaltig, von Erdöl bis Eisen. Trotzdem stehen wir am Rande des Abgrunds. Die Mischung aus Wirtschaftssanktionen, Atomstreit und Misswirtschaft der Regierung, die die Öleinnahmen aus dem Fenster schleudert, ist eine Giftspritze für Irans Wirtschaft. Bald kommt das ganz böse Erwachen", resümiert der 53-jährige Bauunternehmer Asghar Keysoltani gegenüber der "Wiener Zeitung".

Gute Ansätze fehlen

Fast alle Schlüsselindustrien, allen voran die Öl- und Petrochemie sind verstaatlicht. Lediglich Klein- und Mittelbetriebe werden privat betrieben. "Gut gemeint ist nicht immer gut fürs Volk. Unsere Regierung hat zwar die Arbeitslosenraten in den letzten Jahren durch staatliche Maßnahmen von 21 Prozent auf 13 Prozent gesenkt. Aber gute Ansätze, die die Teuerungswelle und Inflation stoppen, fehlen", erklärt Keysoltani.

Der Iran büßt zusehends für die populistische Wirtschaftspolitik von Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Da die Ölexporte 80 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen, trifft der Preisrückgang seit dem Höchststand im Sommer 2008 die Perser hart, denn die vom Westen verhängten Sanktionen schmerzen nun deutlich mehr.

Vor der Wirtschaftskrise hatte der hohe Ölpreis die Führung dazu verführt, Milliarden an die Unterschicht zu verteilen, etwa über billige Kredite, Benzinsubventionen und Lebensmittelcoupons. Diese sorglosen Ausgaben rächen sich nun.

Die Benzinsubventionen mussten gekürzt werden und die Teuerungswelle bei Immobilien, Nahrungsmitteln und Kreditzinsen erreichte im August einen neuen Höhepunkt. Die Inflationsrate ist laut Iranischer Zentralbank zwar gesunken, lag aber Ende Mai noch immer bei 23 Prozent.

Auch der Blick in die Zukunft ist trüb: Analysten vom Economist Intelligence Unit erwarten für das Haushaltsjahr 2009/2010, das im März begonnen hat, nur 0,5 Prozent Wachstum. Die Wirtschaftsleistung würde damit deutlich langsamer zulegen als in den vergangenen Jahren. Nichtsdestotrotz hält Ahmadinejad an seinem Kurs fest, wofür er Kritik erntet: Iranische Wirtschaftsexperten haben die Wirtschaftspolitik in offenen Briefen attackiert und ihm vorgeworfen, die Probleme des Landes zu verschärfen. **

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