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Chavez' Sieg gilt als sicher

Von Leo Gabriel, Caracas

Politik

Mit riesigen Kundgebungen, die Hunderttausende Menschen in eine emotionsgeladene Siegesstimmung versetzten, gingen die beiden Kampagnen für das am Sonntag stattfindende Referendum zu Ende, das über den Verbleib von Hugo Chavez Frias im Präsidentenamt entscheiden soll.


Während die in der so genannten "Coordinadora Democratica" vereinigten Kräfte der venezuelanischen Opposition in den Nobelvierteln von Caracas zu den rythmischen Klängen amerikanisierter Konservenmusik den Sturz des Präsidenten prophezeiten, verwandelten die Anhänger Chavez' die Strassen vor dem Präsidentenpalast in Miraflores in eine karibisch-sprirituelle "Schlacht für die Hoffnung", bei der das Staatsoberhaupt selbstsicher mittrommelte und mitsang. Dem oppositionellen "Ja für eine bessere Zukunft" stand das den letzten Meinungsumfragen zufolge viel aussichtsreichere "Nein gegen den Rückfall in die Vergangenheit" gegenüber. Letzte Umfragen prophezeiten gar einen 63-Prozent-Sieg für Hugo Chavez.

Unerwartete Ruhe

Die entspannt fröhliche Atmosphäre, in der die Schlussveranstaltungen auch in den anderen Landesteilen verliefen, stand ganz im Gegensatz zu den Befürchtungen der aus aller Welt angereisten Wahlbeobachter. Man hatte damit gerechnet, dass sich die in der Vergangenheit aufgestauten Ressentiments in der Schlussphase des politischen Kräftemessens gewaltsam entladen könnten. Die meisten VenezuelanerInnen scheinen jedenfalls sichtlich erleichtert zu sein, dass an diesem Sonntag den jahrelangen, von den USA aus geschürten Auseinandersetzungen zwischen den zwei "politischen Kulturen", denen seit dem missglückten Putschversuch gegen Chavez am 11. April 2002 Dutzende Menschen zum Opfer gefallen sind, ein Ende bereitet werden könnte.

"Sollte ich verlieren, werde ich noch am Sonntagabend dem Vizepräsidenten José Vicente Rangel mein Mandat übergeben und mich dann auf die nächsten Präsidentschaftswahlen vorbereiten," erklärte der bauernschlaue Hugo Chavez auf einer Pressekonferenz in Caracas. "Sollte ich aber gewinnen, lade ich schon jetzt die Opposition für Montag früh zum Frühstück ein", fügte er mit einem Lächeln hinzu.

Sieg um jeden Preis?

Inzwischen mehren sich jedoch auch die Anzeichen, dass es am Sonntag bei der Stimmenauszählung zu Konflikten kommen könnte; nicht weil das neue elektronische System, das zum ersten Mal bei einem Urnengang verwendet werden wird, auslassen könnte - wie die Anhänger des linksgerichetten Chavez befüchtet hatten -, sondern weil die Opposition anscheinend vorhat, sich bereits vor der offiziellen Verlautbarung der Wahlresultate zum Sieger

zu erklären und der Nationale Wahlrat selbst den internationalen Wahlbeobachtern untersagt hat, bei der Stimmenauszählung anwesend zu sein.