Zum Hauptinhalt springen

Chemiewaffen- transporte in Syrien?

Von David Ignatius

Kommentare

Ein übergelaufener Brigadegeneral liefert nicht nur eine Heldengeschichte, sondern auch Enthüllungen über die syrischen Chemiewaffen.


Ein beunruhigender Bericht zu den syrischen Chemiewaffen kommt von einem hochrangigen Überläufer, der auch behauptet, dass einige dieser Waffen fortgeschafft wurden, seit Russland einen internationalen Überwachungsplan zur Zerstörung des toxischen Materials vorgeschlagen hat. Diese Enthüllungen stammen aus einem langen Telefoninterview mit Brigadegeneral Zaher al-Sakat, der Experte für chemische Waffen in der syrischen Armee war, bis er im März zu den Rebellen überlief.

Sakat sprach von einer Stadt in Jordanien. US-Regierungsbeamte sind skeptisch, dass Chemiewaffen aus Syrien fortgebracht wurden, in den Irak oder in den Libanon, wie Sakat und andere behaupten. Es ist also am besten, diese Berichte mit Vorsicht zu behandeln.

Die stärkste Information Sakats ist die Schilderung, wie er voriges Jahr den Befehl erhielt, die giftige Chemikalie Phosgen im Gebiet Deraa im Süden Syriens einzusetzen. Im Umgang mit den Waffen sollte der Brigadegeneral einen einfachen Wörtersatzcode verwenden, die sogenannte Khaled-4-Schablone. Ein Befehl, zum Beispiel Saringas zu einem bestimmten Ort zu transportieren, wurde mit einem Satz wie "Bring die Milch zu Mohammed" übermittelt.

Sakat, ein Sunnit, erklärte, er wollte den Befehl, Phosgen gegen Zivilisten einzusetzen, nicht befolgen, also habe er ein Loch graben und das geruchlose giftige Gas dort hineinströmen lassen und dann einen ungiftigen Ersatz verwendet. Seine Befehlshaber aber hätten geglaubt, er habe den Einsatz wie aufgetragen ausgeführt. Nach dem vorgetäuschten Angriff sei er von seinem Kommandanten General Ali Hassan Ammar einberufen worden, der nichts von der Sabotage gewusst und zu einer Gruppe ranghoher Offiziere gesagt sagte: "Da ist unser Held, der den Chemieangriff durchgeführt hat." Sakat nannte die Namen von einem halben Dutzend Offizieren, die dabei gewesen seien.

Es ist unmöglich, seine Behauptung zu verifizieren, das syrische Regime habe während der vergangenen zwei Wochen Chemiewaffen in Richtung Irak und Libanon geschickt. Laut Sakat soll die Planung für diese Verlegungen kurz vor dem Vorschlag des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom 9. September, die syrischen Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen, begonnen haben, nämlich als der syrische Geheimdienstchef Hafez Makhlouf Geheimdienstvertreter aus dem Iran und dem Irak in Damaskus traf.

Bald nach diesem Treffen, so Sakat, hätten Geheimdienstquellen der Rebellen eine Lkw-Kolonne aus umgebauten Mercedes und Volvos gesichtet, die sich östlich von Homs auf die irakische Grenze zubewegte. Und Chemiewaffen wären auch noch zu vier anderen Orten innerhalb Syriens gebracht worden.

Eine syrische Quelle sagte in einem anderen Skype-Gespräch am Sonntag, dass Ausrüstung für Chemiewaffen vor kurzem vom Bahous Center for Scientific Research in den Raum Barzeh nordöstlich von Damaskus gebracht worden sei. Das Ziel kenne sie allerdings nicht.

Übersetzung: Redaktion