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China baut ein globales Netzwerk auf

Von Klaus Huhold

Wirtschaft

Chinesische Konzerne sind in Europa auf Einkaufstour.


Wien. China lädt die Welt zu sich ein. Mitte März wird Staats- und Parteichef Xi Jinping rund 30 ranghohe Regierungsvertreter aus verschiedenen Ländern bei einem Wirtschaftsforum empfangen. Das ist der derzeitige Stand, es könnten noch mehr werden. Der Grund: Die Volksrepublik will bei der Konferenz ihre Initiative "One-Belt-One-Road", besser bekannt als neue Seidenstraße, vorantreiben.

"Das wird sicher ein Spektakel, eine Huldigung des Gründers der Initiative", sagt Martin Glatz. Der österreichische Wirtschaftsdelegierte für China betonte am Mittwoch bei einem Treffen mit Journalisten aber gleichzeitig, dass die Seidenstraßen-Initiative österreichischen Unternehmen große Chancen für neue Geschäfte und Kooperationen biete. Deshalb begrüße er es auch sehr, dass Verkehrsminister Jörg Leichtfried an der Konferenz Österreich vertritt.

Die Initiative zur neuen Seidenstraße wurde von Xi Jinping ins Leben gerufen. Sie lehnt sich an der historischen Seidenstraße, die China vor allem mit Indien und Zentralasien verband, zwar an, geht aber weit über diese hinaus. Die neue Seidenstraße soll große Wirtschaftskorridore schaffen, China und seinen Handel noch viel enger mit anderen asiatischen Staaten, aber auch mit Europa und Afrika verbinden.

Dafür werden Eisenbahnschienen gelegt, neue Straßen gebaut, neue Seewege erschlossen und strategische Investitionen getätigt. Nach Teheran etwa rollen schon Züge aus China. Zwischen Madrid und Peking ist ebenfalls bereits eine Direktverbindung vorhanden.

Und der chinesische Reederei-Riese Cosco hält 67 Prozent der Anteile am Hafen im griechischen Piräus. Piräus ist damit, wie Glatz sagt, ein "strategischer Brückenkopf für die Seidenstraße". Von dort führt der Weg weiter nach Südosteuropa und auf den Balkan, wo China derzeit besonders viel investiert. Also genau in eine Region, in der auch Österreich stark engagiert ist. Freilich bringe das neue Konkurrenz für die österreichischen Firmen, sagt Glatz. Zugleich bestünde jetzt aber die Möglichkeit, "mögliche Konkurrenten zu Kooperationspartnern zu machen".

Das Geld für die Projektesteht bereit

So gebe es schon erste Kooperationen bei Finanzdienstleistungen, die Raiffeisen Bank International (RBI) führe etwa schon Gespräche mit großen chinesischen Geldhäusern. Oder auch österreichische Infrastrukturberatungsunternehmen würden entlang der Seidenstraßenroute mit chinesischen Firmen zusammenarbeiten.

Es gibt dabei auch die Überlegung, Wien zu einem Verteilerzentrum auf einer der Seidenstraßenrouten zu machen - was allerdings im Moment noch nicht viel mehr als ein Gedankenspiel ist.

Die Töpfe für Anschubfinanzierungen sind jedenfalls prall gefüllt: Institutionen wie die "Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank", bei der auch Österreich mit weiteren 13 EU-Staaten Mitglied ist, oder auch der Seidenstraßenfonds halten Milliarden Euro für Projekte bereit.

Dabei geht es für China um weit mehr als nur um die Modernisierung von Transportwegen. Unternehmen aus der Volksrepublik tätigen etwa auch im IT-Bereich oder im Energiesektor Investitionen. China arbeitet gerade daran, sich ein globales Netzwerk aufzubauen. Und je mehr sich sie USA unter Präsident Donald Trump zurückziehen, desto stärker kann China seine Arme ausstrecken. Die Seidenstraße ist damit auch Ausdruck des zunehmenden geopolitischen Erwachens Chinas, das einhergeht mit einer stärkeren Teilhabe an der Weltwirtschaft.

Sind früher ausländische Investoren vor allem nach China gestürmt, geht nun der Weg immer mehr in die umgekehrte Richtung. Im Jahr 2016 haben laut Glatz chinesische Unternehmen vier Mal so viel in der EU investiert als umgekehrt EU-Unternehmen in der Volksrepublik. Das hat auch viele Ängste vor einem zu großen chinesischen Einfluss ausgelöst - schließlich steht hinter dieser Offensive auch die Kommunistische Partei. Groß sind dabei die Sorgen, dass China noch mehr Technologie absaugt und chinesische Konzerne zu einer immer größeren Konkurrenz werden.

China hat die Zukunftsbranchen im Auge

Warnendes Beispiel ist etwa das Eisenbahnwesen: Hier wurden japanische und europäische Technologien integriert und weiterentwickelt. Nun sind die chinesischen Bahnen auf den internationalen Märkten ein Konkurrent, der noch dazu oft billiger bieten kann, zu etablierten Konzernen wie etwa Siemens.

Bei ihrer derzeitigen Einkaufstour haben es die Chinesen auf Firmen in Zukunftsbranchen wie Automatisierung oder Antriebstechnik abgesehen. In Österreich wurden etwa die ATB Austria Antriebstechnik und der Luftfahrtzulieferer FACC eingekauft. Zudem gebe es noch viele Übernahmeangebote, die nicht realisiert würden, berichte Glatz. "Jeder Skiproduzent hat schon chinesische Angebote bekommen."

Für Österreichs Skiproduzenten ist wiederum China ein immer attraktiverer Markt. Weil nämlich Peking die Olympischen Winterspiele 2022 ausrichtet, ist der Wintersport zusehends in den Mittelpunkt gerückt. Immer mehr Chinesen fahren Ski, immer mehr Skigebiete samt dazugehörenden Liften werden erschlossen - und hier hat Österreich jede Menge Firmen am Start.

Dass das Potenzial der Wintersporttreibenden in China auf 300 Millionen geschätzt wird, hält Glatz aber doch für zu optimistisch. "Da werden wahrscheinlich auch Leute mitgezählt, die einmal im Leben einen Schneemann gebaut haben." Trotzdem: Es bleibt ein vielversprechender Markt.