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China, die neue Herausforderung

Von Monika Jonasch, St. Paul de Vence

Wirtschaft

China, das ist ein Markt mit 1,3 Milliarden Konsumenten, einem BIP-Wachstum von prognostizierten 9,5% dieses Jahr und Auslandsinvestitionen in Höhe von 40 bis 50 Mrd. Dollar pro Jahr über die letzten sieben Jahre. Denken sie in diesen Dimensionen, so kommen Wirtschaftstreibende bei der Erwähnung des Reichs der Mitte in Goldgräberstimmung.


"Es bleibt uns keine andere Wahl als zu akzeptieren, dass China künftig eine bedeutende Rolle in der Weltwirtschaft spielen wird", meint Larry Weinbach, CEO von Unisys. Für "Global Players" sei der chinesische Markt eine Chance auf künftige Wachstumssteigerungen, allerdings auch ein Risiko. "Das schnelle Wachstum in China erinnert auch an die Dotcom-Blase", warnt Weinbach vor Journalisten in St. Paul de Vence, Frankreich.

IT-Lösungs- und -Serviceanbieter Unisys ist seit 1980 in China vertreten, Weinbach gibt allerdings zu, dass bislang dort vor allem investiert wurde. "Wir haben aber einen 5-Jahres-Plan gemacht und festgelegt wie viel wir jedes Jahr in China ausgeben wollen. Man kann diesem Land als Großunternehmen nicht fernbleiben, muss sich jedoch genau überlegen, wie man dort vorgeht", so Weinbach und setzt hinzu: "Jedes große Unternehmen wird in Zukunft in China investieren müssen."

Auf die Frage, wie viel Unisys in China genau ausgebe, antwortet er ironisch: "Man investiert eben, solange man die Nerven dazu hat." Und er fügt noch hinzu: "Nicht jedes Unternehmen, das von sich behauptet in China Gewinne zu machen, tut dies auch."

Besondere Risiken ortet Weinbach in Chinas Finanz- und Banksystem, das sich noch nicht dem Weltmarkt geöffnet hat. Es werde geschätzt, so Weinbach, dass Chinas Banken etwa zu 25% ungedeckte Kredite ausgegeben haben. Das erinnere ihn an die Ursachen der japanischen Wirtschaftskrise.

Da sich China nicht den Regeln des Weltmarktes unterwerfe, mangele es ausländischen Investoren oft zurecht an Vertrauen. "Man weiß auch nie, mit wem man es wirklich zu tun hat, wenn man ein Joint-Venture in China abschließt."

Kritisch beurteilt er auch die Tatsache, dass es im Reich der Mitte kein Verständnis für den Schutz von geistigem Eigentum gebe - Weinbach: "Da muss man als Unternehmer sehr vorsichtig sein, denn diesbezüglich Fälle sind vor chinesischen Gerichten kaum zu gewinnen."

Produktion wandert nach Asien ab - eine Tatsache

Zu den Ängste der Europäer und Amerikaner vor der Abwanderung ihrer Produktionsstätten nach Asien, vor allem nach China, meint er lakonisch: "Das Bemühen die Produktion in den Ländern des Westens zu bewahren, halte ich für eine Verschwendung von Steuergeldern."

Bereits heute würden im Technologiebereich sämtliche Komponenten in Asien erzeugt und nur noch in den USA und Europa zusammengesetzt, aber auch das werde sich bald ändern, denn: "Jeder kann Teile zusammensetzen!"

In Dienstleistungen und Forschung sieht der Unisys-Chef, der seit 20 Jahren China bereist, viel eher eine Chance für die Zukunft des Westens, aber: "Wir müssen mehr in Ausbildung investieren, das ist lebenswichtig für die Innovation der Technik und damit für unser aller Zukunft."

Künftig werde es laut Weinbach in der ganzen Welt nur vier Wirtschaftsblöcke geben, die USA, Europa, China und Japan. "Die Frage ist nur, wer der Anführer sein wird."