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Chinas Kampf gegen die Kryptowährungen

Von Jason Guthrie

Gastkommentare
Jason Guthrie ist Head of Digital Assets bei WisdomTree in Europa und leitet in dieser Funktion den Bereich der digitalen Vermögenswerte.
© Ernie Savarese / www.savarese.co.uk

Die Zentralbank will ihr eigenes digitales Geld unters Volk bringen - profitieren könnten die USA.


Die People’s Bank of China hat ihren Standpunkt bekräftigt, dass digitale Vermögenswerte wie Bitcoin, Ether oder Tether nicht den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels haben, und verbietet Aktivitäten wie Marketing, Zahlung und Abrechnung sowie technische Unterstützung im Zusammenhang mit Krypto-Assets. Die Ankündigung dieses Krypto-Verbots fällt zeitlich mit dem Vorstoß der Zentralbank für eine eigene digitale Währung (CBDC) zusammen, die sie in 28 Regionen eingeführt hat. Dies sind die Gebiete Chinas, in denen mobile Zahlungssysteme schon früh eingeführt wurden und die eine treibende Kraft für die Verbreitung von Finanztechnologien darstellen. Zudem wird spekuliert, dass Chinas Zentralbank versucht, die Konkurrenz zu verdrängen.

Dennoch steht die Wirksamkeit eines solchen Schrittes noch nicht fest, da die Bevölkerung nicht nur Kryptowährungen befürwortet, weil sie digital sind. Bitcoin und die digitale Währung der Zentralbank verfolgen unterschiedliche Ziele. Die Kerngedanken von Bitcoin sind Dezentralisierung und anonyme Transaktionen, während das Hauptziel der People’s Bank of China das Gegenteil davon ist: Zentralisierung und Datenerfassung. Das digitale Zentralbankgeld wird wahrscheinlich als ein gutes Instrument zur Überwachung wirtschaftlicher Aktivitäten, zur Verbesserung des Steuersystems und zur (erneuten) Durchsetzung von Kapitalkontrollen angesehen. Dieses CBDC-System passt zum wirtschaftlichen Ökosystem in China.

Doch was bedeutet dies für den Krypto-Markt? Nun, die mittelfristigen Auswirkungen auf die Nachfrage sind noch nicht abzusehen. Die internetbasierte Natur von Kryptowährungen bedeutet, dass es für jede Behörde bekanntermaßen schwierig ist, sie zu zensieren, selbst wenn diese Behörde die Volksrepublik China ist. Entschlossene Investoren werden wahrscheinlich einen Weg finden, wieder in den Markt einzusteigen. Wenn die chinesische Zentralbank jedoch in der Lage ist, ihren digitalen Yuan als überlegene Option zu verkaufen, könnte dies zu einer lokalen Verlangsamung und zu einem Rückgang der Akzeptanzraten führen.

Der längerfristige Trend einer geringeren Krypto-Konzentration in China ist weiterhin positiv für den Gesamtmarkt. Die USA sind in der Regel die Profiteure, da verbotene oder eingeschränkte Aktivitäten ins Ausland verlagert werden. Dies bringt mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht mit sich - etwas, das Regulierungsbehörden und Investoren sowohl von Börsen als auch von Minern gefordert haben.

Die chinesische Bevölkerung hat Kryptowährungen bisher sehr gut angenommen. Einer der potenziellen Anwendungsfälle nativer Kryptowährungen wie Bitcoin besteht darin, dass sie den Menschen eine Möglichkeit bieten, Vermögen unbelastet von den Behörden zu halten und eine größere Kontrolle über ihr Finanzleben auszuüben. Ein Land mit einem hohen Maß an Überwachung sowie einer Tendenz zu staatlichen Eingriffen und Kapitalkontrollen sollte also ein fruchtbarer Boden für ein solches Wertversprechen sein.