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Chinas Präsident vor Washingtons offener Tür

Von Charles Hutzler

Politik

Hu Jintao besucht Boeing, Microsoft - und George W. Bush | Werben um China. | Peking. (ap) Bei seinem ersten Besuch in Washington vor vier Jahren hielt sich Hu Jintao akkurat an die offizielle politische Linie Pekings. So akkurat, dass sich die US-Regierung fragte, was für ein Mensch wohl hinter der Fassade des Politikers Hu stand, dem damaligen Vizepräsidenten Chinas. Seine zweite US-Reise tritt Hu nun mit einem eigenen Profil an: Er ist Staatschef eines wirtschaftlich unglaublich schnell wachsenden Landes und hat die chinesische Außenpolitik weg von der Zentrierung auf die USA geführt.


Wirtschaftsinteressen stehen im Mittelpunkt

Einer der größten Unterschiede zu Hus erster Reise sei, dass der kommunistische Politiker nach seiner Ankunft am Dienstag schon bei einem der ersten Termine mit dutzenden Geschäftsleuten bei Microsoft-Gründer Bill Gates zum Essen eingeladen sei, sagt Ruan Ming, ein ehemaliger Mitarbeiter des chinesischen Propaganda-Ministeriums. Die Themenliste für Hus Treffen mit US-Präsident George W. Bush am Donnerstag reicht von der chinesischen Handelspolitik bis zum iranischen und nordkoreanischen Atomprogramm. Die größte Herausforderung wartet auf Hu jedoch außerhalb des Weißen Hauses: Er trifft mit Geschäftsleuten in Seattle zusammen, besucht die Unternehmen Boeing und Microsoft und ebenso die renommierte Yale-Universität.

Trotz seines im Vergleich zum letzten Besuch breit gefächerten Programms blicken Politiker im Ausland noch immer nicht ganz hinter Hus politisches Gesicht: Der 63-Jährige gilt als zurückhaltend und soll ein geradezu fotografisches Gedächtnis haben, in Konferenzen geht er ohne Unterlagen oder Notizen. Öffentliche Auftritte des Staatschefs im eigenen Land sind selten, mitunter trifft er bei exakt durchorganisierten Konferenzen mit Bauern und anderen Vertretern der "kleinen Leute" zusammen. In Hus Amtszeit ist China zur drittgrößten Handelsmacht weltweit aufgestiegen, die chinesische Wirtschaft hat verstärkt in Afrika und Lateinamerika investiert.

Als Sohn eines Teehändlers geboren, arbeitete Hu jahrelang in der Baubranche in Gansu, einer der ärmsten Provinzen Chinas. In den 80er Jahren wurde er mit der politischen Leitung von Guizhou und Tibet betraut, ebenfalls seit langem verarmte Regionen. Nach seinem Aufstieg zum Staatschef verhält sich Hu immer noch vorsichtig. Fehler während seiner USA-Reise hätten Kritik zuhause zur Folge und könnten seine Chancen auf eine zweite Amtszeit als Parteichef schmälern - gewählt wird 2007. Bis dahin dürfte sich Hu Experten zufolge weiterhin zurückhalten.