Zum Hauptinhalt springen

Classics Corner

Von Karl Warlischek

Wirtschaft

Das Museo Storico Alfa Romeo

24 HP lautet die einfache Bezeichnung, die 1910 das erste Auto der "Anonima Lombarda Fabbricia Automobili" trug, die in Mailand ihren Sitz hatte. Hinter diesem Wortungetüm verbirgt sich eine der erfolgreichsten und mythenumrankten Automarken: Alfa. Das Romeo kam erst nach 1920 dazu.

Alfa Romeo stand und steht für Eleganz und Sportlichkeit. In Arese, wo sich seit 1961 eine Alfa-Fabrik befindet, gibt es ein wunderschönes Museum auf dem Werksgelände, in dem auf 4.800 Quadratmetern fast alle Modelle von 1910 bis zur Jetztzeit ausgestellt sind - mehr als hundert Autos und über 20 Motoren in chronologischer Reihenfolge präsentiert.

Von Beginn an legte man bei Alfa großen Wert auf Sportlichkeit. 1920 startete erstmals Enzo Ferrari auf einem 20-30 HP bei der "Targa Florio", einem klassischen Rennen auf Sizilien, und belegte den zweiten Platz. Untrennbar mit Alfa verbunden ist auch Juan Manuel Fangio, der bisher einzige 5-fach-Weltmeister, der 1951 auf Alfa den Titel errang und bereits in den 40er-Jahren die Mille Miglia mit einem roten Flitzer unter die Räder nahm. A propos Mille Miglia: 1928 starteten 8 Alfas, alle kamen ins Ziel, Sieger war das Duo Giuseppe Campari/Giulio Ramponi auf Alfa 6C1500S. Bis zum letzten 1000-Meilen Rennen 1957 konnten die Mailänder insgesamt 11 mal das Siegerauto stellen. Im liebevoll gestalteten Museum, das sich über fünf Etagen erstreckt, sind natürlich die Siegerautos ausgestellt.

1935 wurde ein zweimotoriges Auto auf die Rennpisten geschickt, je ein 8-Zylinder-Motor brüllte vor und hinter dem Fahrer. Die damaligen Reifen waren aber für die Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h (!) noch nicht geeignet, daher verschwand er auch rasch wieder. Auch dieser legendäre Bimotore ist zu sehen.

Friedlich steht auch der P3, für viele das schönste Rennauto aller Zeiten, auf seinem Podest. Mit dem Alfa P3 gewann Tazio Nuvolari 1935 den Großen Preis von Deutschland auf der Nürburgring-Nordschleife vor vier Mercedes und fünf Auto-Union Boliden. Die siegessicheren Deutschen hatten damals weder eine italienische Flagge noch eine Platte mit der italienischen Nationalhymne vorbereitet - doch Nuvolari hatte an alles gedacht und beides mitgebracht.

Neben den Sportflitzern sind natürlich auch die "normalen" Alfas ausgestellt, vom ersten 24 HP über die Giulias, Spiders, etliche Prototypen und Stilstudien von Bertone und Pininfarina bis hin zum wohl schönsten Alfa, dem Montreal. Neben den Autos sind auch die Flugzeugmotoren, der Traktor und ein E-Herd, der von Alfa Romeo entwickelt wurde, zu bewundern.

Das Alfa Romeo Museum in Varese, zehn Kilomter nordwestlich von Mailand, ist Montag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet. Allerdings ist Voranmeldung erforderlich: Telefon +39 2 939 22 81 11.