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Clinton-Hilfe für John Kerry

Von Daniel Jahn

Politik

So viel steht fest: John Kerry ist kein Bill Clinton. Politisch knüpft der Präsidentschaftskandidat der oppositionellen US-Demokraten zwar durchwegs an Clinton an, vor allem in der Außen- und Wirtschaftspolitik. Doch charakterlich hat der umständliche Senator kaum etwas mit dem jungenhaften Charme und lockeren Witz des früheren Präsidenten gemeinsam.


Vor Erscheinen der Clinton-Memoiren am Dienstag in den USA sind sich manche Demokraten deshalb unschlüssig, ob der kultisch verehrte Ex-Präsident Hilfe oder Hindernis für Kerry ist. Schwer vermeidbar scheint jedenfalls, dass der bevorstehende Rummel um Clinton und sein Buch einen Teil der Aufmerksamkeit von Kerrys bisher ohnehin mühseligen Wahlkampf abzieht.

Clinton aber will Kerrys Wahlhelfer sein. Während der Promotion-Tour werde der ehemalige Präsident "in einer sehr gedankenreichen und eindringlichen Weise" über Kerry reden, sagte Clinton-Berater Steve Richetti der "New York Times". Keineswegs wolle Clinton zu Kerry "in Konkurrenz treten". Beide stehen in regelmäßigem Kontakt - nach Informationen der Zeitung sprechen sie etwa alle zehn Tage miteinander. Kerry hat nach eigenem Bekunden keine Angst davor, vom Ex-Präsidenten in den Schatten gestellt zu werden. Im Gegenteil hofft er, von Clintons Popularität zu profitieren: "Ich habe vor, ihn soviel Wahlkampf machen zu lassen, wie er kann", kündigte der Kandidat in einem Interview an.

Wenn Clinton in den nächsten Wochen bei Lesungen quer durch die USA und in Interviews zur besten Sendezeit sein Leben und die Weltpolitik erklärt, könnte Kerry jedoch schmerzlich bewusst werden, wie weit er noch von einem ähnlichen Kultstatus entfernt ist. Je mehr die Demokraten und ihre Anhängerschaft sich in ihre Wut auf Präsident George W. Bush hineinsteigern, desto mehr verklären sie den Vorgänger, unter dem die US-Wirtschaft blühte und die Beziehungen zu den Alliierten im Wesentlichen intakt blieben, zur Heldenfigur.

Schon jetzt ist der Rummel um die 957-seitigen Memoiren mit dem schlichten Titel "My Life" (Mein Leben) gewaltig. Zehn Millionen Dollar (8,3 Millionen Euro) bekam Clinton vom Verlagshaus Alfred A. Knopf für sein Epos als Vorschuss - zwei Millionen Dollar mehr, als Gattin Hillary vor einem Jahr vorab für ihre Lebenserinnerungen kassierte. Lanciert wird "My Life" in den USA mit einer Startauflage von 1,5 Millionen Exemplaren - zwei Millionen Vorbestellungen liegen bereits vor. Auch im deutschsprachigen Bereich dürfte das Werk reißenden Absatz finden: Der Econ-Verlag bringt es dort am 8. Juli mit einer Startauflage von 100.000 Exemplaren heraus.

"Ich weiß nicht, ob es ein gutes Buch ist, aber es ist wirklich eine gute Geschichte", sagte Clinton zum Auftakt seiner Buchtour in Chicago. Die Neugier des Publikums konzentriert sich natürlich großteils auf das Sexleben des Ex-Präsidenten. Clinton hat angekündigt, er habe sich selbst nicht verschont und gehe auf seine persönlichen und politischen Verfehlungen ein - die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky, die seine Präsidentschaft an den Rande des Abgrunds brachte, wird nicht ausgespart. Im Interview mit dem Sender CBS nannte Clinton die Affäre "einen schrecklichen moralischen Fehler". Besonders viel Kraft scheinen ihn aber die Passagen über den Sonderermittler Kenneth Starr gekostet haben. Bei den Erinnerungen an Starr habe er aus Wut eine vierstündige Schreibblockade erlitten, erzählte Clinton in Chicago. AFP

Drei Fernsehduelle der

Präsidentschaftskandidaten

Die Konkurrenten um das Weiße Haus werden sich im Herbst drei Fernsehduelle liefern. Bei der ersten TV-Debatte zwischen Amtsinhaber George W. Bush und seinem demokratischen Herausforderer John Kerry werde es am 30. September um die Innenpolitik gehen, teilten die Organisatoren mit. Knapp zwei Wochen später solle beim letzten Fernsehduell am 13. Oktober die Außenpolitik im Mittelpunkt stehen. n