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Coaching: Was ist das Ziel und wie komme ich dort hin?

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Fitness-Coach, Verkaufs-Coach, Finanz-Coach: Immer mehr Branchen entdecken das vermeintliche Coaching für sich. Der Begriff "Coach" wird geradezu inflationär gebraucht und noch dazu oft in einem falschen Kontext, meint dazu der Österreichische Coaching-Dachverband (ACC).


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Coach (engl.) heißt eigentlich nichts anderes als "Kutscher", doch das Bild, das sich dadurch ergibt, entspreche nicht dem aktuellen Berufsbild, meinte am Montag der Obmann des ACC (Austrian Coaching Council), Michael Tomaschek, vor Journalisten.

"Wenn der Coach der Kutscher ist, was ist dann der Kunde? Das vorgespannte Pferd oder der Fahrgast - das sollte er beides nicht sein", so Tomaschek. Der Fahrgast lässt sich passiv durch die Gegend kutschieren und das Pferd wird vom Kutscher angetrieben. Der Coach sollte aber vielmehr auf gleicher Ebene mit dem Kunden sein, und ihm bei der Bewältigung einer bestimmten Situation zur Seite stehen.

Viel besser passe da das Bild vom Sport-Coach: "Der Coach begleitet durch den Wettkampf", so Tomaschek. Nur, dass es sich beim Coaching nicht um die Begleitung in sportlicher, sondern beruflicher Dingen handle. "Es geht darum, pragmatische, kurzfristige Maßnahmen zur Bewältigung einer bestimmten Situation zu finden". Üblicherweise könne die Angelegenheit in fünf bis zehn Coaching-Einheiten erledigt werden.

Typische Situationen, in denen ein Coach helfen kann, sind berufliche Veränderungen. Also etwa, wenn ein Mitarbeiter zum Chef seiner ehemaligen Kollegen befördert wird. Ein Coach sei nicht dazu da, um Präsentations- oder Kommunikationstrainings abzuhalten, vielmehr müsse er mit den Fähigkeiten und Kenntnissen arbeiten, auf die sein Kunde bereits zurückgreifen kann. "Meist geht es um Blockaden", oft genüge es dem Betroffenen eine andere Sichtweise der Dinge zu ermöglichen, damit er mit der Situation besser umgehen kann. Sei es eine gefürchtete Präsentation vor dem Vorstand oder grundsätzliche Unsicherheit über die eigene berufliche Zukunft.

"Der Coach kann Anregungen geben, wenn man selbst den Wald vor lauter Bäume nicht sieht", so Tomaschek. Natürlich gebe es dabei Überlappungen mit anderen Bereichen wie Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung oder Psychotherapie. Ein Coach sollte daher auch in diesen Bereich so weit geschult sein, dass er Probleme erkennen und, wenn notwendig, die Kunden an die entsprechenden Fachkollegen weiterleiten kann.

Der ACC hat sich eine Professionalisierung der Branche zum Ziel gesetzt. Im Vordergrund steht dabei die Definition eines Berufs- und Verhaltenskodex. Wer die Kriterien erfüllt, wird in die Coach-Datenbank des ACC unter http://www.coachingdachverband.at aufgenommen. Grundsätzlich gelte: Wer einen Coach auswählt, sollte ihn nach seiner Ausbildung, seiner praktischen Erfahrungen und am besten auch nach Referenzen fragen. So ließe sich vermeiden, an Leute zu geraten, die gerade einmal ein Wochenendseminar absolviert haben und sich selbst als Coaching-Guru verkaufen.