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Columbo, die Sennerin und BBC

Von Stefanie Holzer

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Nicht nur die Politik liefert dem partikularen Souverän viel Anlass zum Wundern. Ein Bekannter schilderte kürzlich, dass er beim ORF angefragt habe, wie jemand, der einer Arbeit nachgeht, sprich in der Früh aufstehen muss, sehen soll, was ihn interessiert, wenn alles, was nicht vom Niveau minus Null ist, um Mitternacht ausgestrahlt wird? Der ORF riet ihm, und das nenne ich Chuzpe, zur Anschaffung eines Videorekorders. Zu steigern wäre dieser Ratschlag nur dadurch, dass der ORF eine Videothek für jene Seher unterhielte, die darauf hoffen, durch TV-Konsum in ihrer geistigen Gesundheit nicht gefährdet zu werden.

Am Sonntagabend habe ich den Beginn einer "Columbo"-Folge gesehen, die ich gestern Vormittag kurz nach 10 Uhr (ORF 1) weiterschauen hätte können, wenn ich mir am Sonntag gemerkt hätte, nach wie vielen Minuten ich ausgestiegen bin. Aber der Vormittag ist keine gute Zeit für Krimis. Also schaute ich ein bisschen herum: ORF 2 konkurrenzierte "Columbo" mit der "Sennerin von St. Kathrein".

Hängen geblieben bin ich erst weit hinten in der Senderliste. BBC World wiederholte "Hard Talk" mit Tim Sebastian, der einen Regierungsvertreter aus Malawi zu Gast hatte, um ihn zu fragen, wieso Malawi zur Zeit der Missernte Nahrungsreserven exportierte, der wissen wollte, was die Antikorruptionskommission des Präsidenten erreicht habe, der nachfragte, ob Malawi sagen will, das der International Monetary Fund Lügen auftische und so weiter und so fort. In fünf Minuten Interview war mehr über Malawi zu erfahren, als sieben teure Filmteams vor Ort herausgefunden hätten.