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Comeback bei Anleihen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Bei konservativ aufgestellten Rentenportfolios wirft die Verzinsung inzwischen 3 bis 4 Prozent ab.


Für den Anleihemarkt war 2022 ein rabenschwarzes Jahr. Doch mittlerweile hat sich für Anleger ein Fenster geöffnet. "Anleihen erleben ein Comeback und sind wieder zu einer echten Veranlagungsalternative geworden", berichtet Felix Düregger, leitender Asset-Manager der Bank-Austria-Tochter Schoellerbank, aus der Praxis. "Neben Staatsanleihen investieren wir in inflationsgeschützte Anleihen und Unternehmensanleihen."

Als kleinere Beimischungen würden entwickelte Fremdwährungen sowie Schwellenländeranleihen mit guter Bonität "interessante Chancen" bieten, so Düregger. In einem konservativ aufgestellten Rentenportfolio sorge derzeit allein die laufende Verzinsung für ein Einkommen von 3 bis 4 Prozent. "Diese wiedergewonnene Eigenschaft kann nun endlich auch wieder als Puffer für mögliche Aktienmarktkorrekturen im Portfolio sorgen", sagt Düregger. "Sollte der Zinsdruck im zweiten Halbjahr tatsächlich wieder nachgeben, sind neben dem laufenden Zinseinkommen auch noch Kursgewinne möglich."

Zinshöhepunkt absehbar

Harald Holzer, Chief Investment Officer (CIO) und Vorstandsmitglied der zur Raiffeisen Bank International gehörenden Kathrein Privatbank, sieht mehrere Gründe, warum der Anleihemarkt nun wieder anzieht. "Die Inflationszahlen - wenn auch immer noch zu hoch - zeigen deutliche, von Land zu Land unterschiedliche Abwärtsbewegungen." Für Holzer ist dabei der Höhepunkt der Zinsen inzwischen bereits absehbar. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) näherten sich dem Ende des Zinszyklus.

"Zudem verzeichnen Anleihefonds starke Mittelzuflüsse", so Holzer. Als sich gegen Jahresende 2022 der zuvor unaufhaltsame Anstieg der Anleiherenditen abgeflacht habe, hätten sich die Mittelströme bei Anleihefonds schnell von Abflüssen in erhebliche Zuflüsse verwandelt. "Diese starken Mittelzuflüsse könnten den Märkten einen wichtigen Rückenwind geben, sobald die Volatilität nachlässt", meint Holzer.

Aus seiner Sicht werden die Zentralbanken die Zinsen voraussichtlich noch rund ein Jahr auf dem derzeitigen Niveau oder höher halten. Holzer rechnet deshalb mit "weiterhin attraktiven Renditen am kurzen Ende und im Geldmarkt".

Geopolitische Gefahren

Mit Blick auf die jüngsten, für die Anleiheperformance nicht unerheblichen Entwicklungen bei der Inflation, die die Zentralbanken im vergangenen und im heurigen Jahr zum Handeln zwang, hält der Wiener Banker fest: "Nun zeichnen sich klare Tendenzen einer Rückkehr zur Normalität und einem Inflationsniveau von 2,5 Prozent bis Ende 2024 ab." Besondere Aufmerksamkeit gelte dabei der Kerninflation (ohne Energie- und Lebensmittelpreise). Diese stabilisiere sich nun in der Eurozone und dürfte 2025 wieder die von der EZB angestrebte Marke von 2 Prozent erreichen. Indes sei die bisher befürchtete Lohn-Preis-Spirale ausgeblieben.

Geopolitische Risiken wie etwa eine weitere Verschärfung des Konflikts mit China und damit verbundene Lieferengpässe will Holzer zwar nicht ausschließen. "Doch derzeit geht man davon aus, dass beide Seiten versuchen werden, die wirtschaftlichen Auswirkungen möglichst gering zu halten."

Inflation als Risikofaktor

Vor diesem Hintergrund "glauben wir, dass das derzeitige Zinsumfeld noch längere Zeit bestehen bleibt und die derzeit attraktiven Renditen für Anleiheinvestoren erhalten bleiben", erklärt der Finanzmarktexperte. Als Risiko für die Kurse von Anleihen sei in Betracht zu ziehen, "dass die Inflation sich doch weiter verfestigt und die Notenbanken gezwungen sind eine ,zweite Runde von Zinserhöhungen umzusetzen". Dies würde die Anleihekurse "nachhaltig treffen", gibt Holzer zu bedenken.