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Conchita muss noch oft singen

Von Edwin Baumgartner

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Im Zuge des Eurovision-Song-Contest-Sieges von Conchita Wurst berauscht Österreich sich an seiner Toleranz. Ich muss nun für den Katzenjammer sorgen.

Die Stadt Salzburg beispielsweise wird heimgesucht von einer Serie von Vandalenakten gegen Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus. So wurde in der Nacht auf Mittwoch im Kurgarten bei Schloss Mirabell ein Mahnmal für Euthanasieopfer zerstört. In den vergangenen Monaten waren Denkmäler und Gedenkstätten mit nationalsozialistischen Emblemen beschmiert worden.

Auch im KZ Mauthausen kam es wiederholt zu Hakenkreuz-Schmierereien, auch auf dem Grab eines türkischen Kindes. Ein Exekutivbeamter soll da mit dem Satz reagiert haben, man könne das Hakenkreuz ja ohnedies abwaschen.

Eben flattert auch die Meldung auf meinen Tisch, dass sich laut Marktforschungsinstitut meinungsraum.at die Einstellung der Österreicher zu Homosexuellen nur marginal verbessert habe.

Dazu kann man auf der Facebook-Seite "Nein zu Conchita Wurst" den Eintrag lesen (wörtlich): "Am besten man schickt diesen Penner nach Russland, da werden ihm seine Kronjuwelen entfernt, ohne Betäubung, und dann kann er ja wieder antreten, und wird Pavarotti übertrumpfen! Eier weg und Abflug in den Kosmos ohne Rückfahrkarte!"

Bedauerliche Einzelfälle das alles? Ein bisschen (zu) viele davon. Und so wird Conchita Wurst wohl noch viele Song Contests gewinnen müssen, ehe sich unser Land ganz ohne Wunschdenken und Beschönigung zu Recht der Toleranz rühmen kann.