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Corona-Prävention für Kindergärten fehlt

Von Martina Madner

Politik
Mit FFP2-Maske in der Gruppe zu arbeiten, ist im Kindergarten nicht sinnvoll - jetzt präventive Konzepte für den Herbst zu erstellen aber schon.
© St. Nikolausstiftung / Stefan Knittel

Das Kindergartenpersonal infizierte sich doppelt so häufig mit Sars-CoV-2 als Erwerbstätige generell. Die ÖGB Frauen fordern Präventionskonzepte für den Herbst.


"Sehr geehrter Herr Bundesminister Faßmann, die vergangenen Pandemie-Monate haben auch das Kindergarten- und Hortpersonal stark belastet und sehr gefordert", heißt es in einem offenen Brief der ÖGB-Frauen an den Bildungsminister, der der "Wiener Zeitung" vorliegt. Die Beschäftigten hätten das System aufrechterhalten, es gab eine "konstante Gefahr der Ansteckung durch Kleinkinder", gestresste Eltern. "Wir haben das Gefühl, dass die Elementarpädagogik - obwohl erste und wichtigste Bildungseinrichtung - bis jetzt stiefkindlich behandelt wurde in der gesamten Corona-Zeit", sagt ÖGB-Vizepräsidentin und -Frauenvorsitzende Korinna Schumann.

"Es ist essenziell, sich jetzt auf den Herbst vorzubereiten", sagt sie auch. Man erwarte konkrete und "bundeseinheitliche" Lösungsvorschläge auf offene Fragen, "gleiche Voraussetzungen in allen Bundesländern, nicht wieder einen Fleckerlteppich". Offen seien Fragen wie, ob eine Impfpflicht komme, Nicht-Geimpfte mit Konsequenzen rechnen müssten, ob Drittimpfungen vorgesehen seien, ob doch noch eine österreichweite Teststrategie für Kindergärten kommt. Erneut fordert Schumann einen "Corona-Tausender" für Beschäftigte - und nicht zuletzt sich in Personalfragen einbringen zu können. Es sind Forderungen, denen auch manche Betreiber und Interessensvertretung etwas abgewinnen können.

Testungen - auch von Kindern

Klar ist, Kleinkinder sind nicht die treibenden Kräfte beim Infektionsgeschehen. Unter den 15- bis 24-Jährigen sind mit 1.570 von insgesamt mehr als 5.800 aktuell die meisten Sars-CoV-2-Infizierten. 17 von 10.000 sind in dieser Altersgruppe laut Ages Dashboard im Moment positiv. Bei Kindern im Alter unter fünf Jahren sind es 98, also nur zwei von 10.000 im Moment.

 

"Im Moment können wir ein bisschen durchschnaufen, aber ich vermute, dass die Situation ab Mitte August nicht unähnlich jener zum letzten Jahr sein wird", sagt Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung, "und nicht wieder Gruppe behördlich geschlossen werden müssen". Unter den 1.150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 6.300 betreuten Kindern in 87 Kindergärten in Wien gab es bisher 1.100 Infizierte, manche auch mehrfach. "Bei unserem Personal mit 14 Prozent doppelt so viele wie in der erwachsenen Bevölkerungen sonst." Deshalb hofft Walter, dass die Lollipop-PCR-Testungen für Kinder im Herbst doch ausgerollt werden könne, man habe solche Lösungen mit anderen Betreibern wie Kiwi und den Kinderfreunden bereits im Oktober 2020 gefordert.

Auch Grete Miklin vom Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen, wo sich 600 Gruppen mit rund 7.500 betreuten Kindern österreichweit organisiert haben, sagt, dass es "Erlässe bis jetzt immer sehr kurzfristig gab. Es wäre wünschenswert, Vorbereitung treffen zu können und nicht im September ohne dazustehen."

Eltern in Wien hätten sich auch selbst zwei bis drei Mal pro Woche testen lassen "und so einen Schutzschirm aufgespannt", sagt Miklin. "Eine gute, niederschwellige PCR-Test-Infrastruktur im Herbst auch in anderen Regionen wäre absolut wichtig. Das erleichter auch die Berufstestungen für Mitarbeiterinnen." Für Letztere wünscht sie sich Geld für Supervision. Sie hofft zudem, dass "man aus der Pandemie lernt, dass die Gruppen zu groß sind".

Ein Schlüssel Personal zu Kindern von eins zu vier bei unter Dreijährigen zum Beispiel anstelle von eins zu sieben wie im Moment "hebt die Qualität. Da kann dann wirklich Bildungsarbeit passieren."

Impfpflicht - oder doch nicht?

Beim Personal setzt auch Viktoria Miffek, Geschäftsführerin von Edu Care, wo sich rund 20 Kindergartenträger und Expertinnen vernetzen an: "Kinder müssen wieder Normalität erleben, deshalb braucht es Unterstützungspersonal, um Ungleichgewichte, die durch die Pandemie entstanden sind, auszugleichen." Dass nun wieder Impfpflichten diskutiert werden, hält Miffek nicht für vordringlich. "Wenn, dann bitte nur bundesweit, also einheitliche Lösungen."

Die Durchimpfungsrate des Kindergartenpersonals muss genauso wie bei den Beschäftigten in Schulen erst erhoben werden. Vom Personal der St. Nikolausstiftung weiß Walter, dass bereits 75 bis 80 Prozent geimpft sind. Im erwerbsfähigen Alter zwischen 25 und 64 Jahren generell sind laut Gesundheitsministeriums knappe 50 Prozent vollimmunisiert. Walter spricht sich trotzdem für eine bundesweite Impfpflicht für das Kindergartenpersonal aus - nicht nur gegen Sars-CoV-2, sondern auch gegen Röteln, Masern und Mumps: "Wir haben freiwillige Impfaktionen, wenn es eine Pflicht gäbe, wären wir nicht böse", sagt der Geschäftsführer.

Neu eingestelltes Kindergartenpersonal muss in Wiener Städtischen Kindergärten ab dem Herbst geimpft sein. Das Land Steiermark bevorzugt bei Neueinstellungen Geimpfte gegenüber Ungeimpften. Die Organisationen von Testungen obliegt ausschließlich der Kompetenz der Bundesländer, "deshalb können und dürfen wir keine Vorgaben machen", heißt es aus dem Bildungsministerium. Auch für eventuelle Impfpflichten für das Kindergartenpersonal seien die Länder, für österreichweite Entscheidungen der Gesundheitsminister zuständig.