Zum Hauptinhalt springen

Corona-Prognosen werden düsterer

Politik

Bis Schulbeginn im Osten könnte es bis zu 180 Covid-Intensivpatienten geben. In Florida ist die drohende Überlastung bereits Realität.


Seit Dienstag liegen wieder mehr als 400 Covid-19-Patienten auf einer Normalstation in Krankenhäusern, so viele wie zuletzt im Mai. Wenn man bedenkt, dass es beim Höchststand im November fast 4.000 waren, klingt das zunächst nicht sehr dramatisch. Allerdings verdoppelt sich derzeit die Zahl der Spitalspatienten im Zwei-Wochen-Takt.

Das Prognose-Konsortium erwartet zu Schulbeginn bis zu 180 Covid-Intensivpatienten. Ab etwa 200 müssten laut Berechnungen der Gesundheit Österreich erste Operationen verschoben werden. Simulationsexperte Niki Popper, Mitglied des Konsortiums, spricht gegenüber der APA von einem "ordentlichen Anstieg" an Fällen.

Die Frage ist, wie sehr sich ein erhöhtes Infektionsgeschehen auf die Spitalsbelegung übersetzt. Die Entwicklungen in anderen Ländern geben kein eindeutiges Bild. Da ist zum Beispiel Schottland, das Anfang Juli die bisher größte Infektionswelle erlebte. Nach einem vorübergehenden Abflauen liegen die Fallzahlen nun erneut auf dem Niveau von Juli. Die Spitalsbelegung stieg zwar auch, bremste sich aber bald ein und ist weit vom Niveau vorangegangener Wellen entfernt.

Einmal über den Atlantik geblickt ist in Florida nicht nur die höchste Infektionswelle, sondern auch die bisher schwerwiegendste Erkrankungswelle zu beobachten. Nie lagen dort mehr Covid-Patienten im Spital, nie starben mehr. Ein Viertel aller Intensivbetten in Florida ist derzeit mit Covid-Patienten belegt.

Neue Untervarianten tauchen auf

In Großbritannien sind 62 Prozent der Bevölkerung vollimmunisiert, in Florida 51 Prozent. Österreich liegt mit rund 57 Prozent dazwischen. Doch es ist auch entscheidend, welche Altersgruppen ungeimpft bleiben. Bei den über 85-Jährigen haben sich in Österreich 92 Prozent der Männer impfen lassen, bei Frauen ist mit einer Impfquote von 83,80 Prozent noch Luft nach oben. Bei den älteren Kohorten liegt Florida allerdings sogar klar vor Österreich.

Eine Unsicherheit bietet auch das Virus selbst. Die infektiösere Delta-Variante ist in Florida wie auch in Großbritannien und Österreich dominant. Und sie entwickelt Untervarianten. Für Schlagzeilen sorgte die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als "Variant of concern" eingestufte Delta-Untervariante AY.3. Sie ist im Süden der USA nachgewiesen worden, vereinzelt auch in Europa. In Österreich noch nicht, wie der Virologe Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) dieser Zeitung bestätigt. Auch der Gesundheitsagentur Ages ist bisher kein Nachweis bekannt.

Ob diese Variante bei der aktuellen Welle im Süden der USA eine Rolle spielt, lässt sich ohnehin nicht sagen, und auch nicht, ob sie andere, unangenehmere Eigenschaften aufweist. Die Virologin Monika Redlberger-Fritz von MedUni Wien ist jedenfalls noch nicht beunruhigt. "Wir haben eine sehr engmaschige Überwachung", sagt sie. Dadurch könne man früh erkennen, ob eine Variante beginnt, andere zu verdrängen. Das würde dann bedeuten, dass diese Variante entweder noch infektiöser ist und/oder der Immunität besser entkommen kann. Zumindest Letzteres ist in Florida nicht zu erkennen. "Die überwältigende Mehrheit der Covid-Patienten ist ungeimpft", schreibt der Spitalsverband des US-Staates. Das ist quasi die gute Nachricht.(sir)