Zum Hauptinhalt springen

Coronavirus: Die gute und die schlechte Nachricht

Von Thomas Seifert

Leitartikel
Thomas Seifert

Die gute Nachricht: Die Wissenschaft steht bei einem Medikament gegen Covid-19 vor einem Durchbruch. Die schlechte: Die Corona-Krise wird bis zu diesem Zeitpunkt noch schlimmer.


Verzweifelte Zeiten rufen nach verzweifelten Maßnahmen. Noch nie zuvor wurden in der Zweiten Republik die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger derart eingeschränkt. Die Bundesregierung hat aber richtig gehandelt: Nur drastische – und rechtzeitig gesetzte – Maßnahmen erzielen auch Wirkung. Es wurde immer wieder kommuniziert: Es geht nun darum, den Peak der Erkrankungen möglichst hinauszuzögern und damit den Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. Dennoch: Pflegepersonal, Ärzte und Ärztinnen und alle Menschen, die man zum Betrieb eines Spitals braucht werden genauso Übermenschliches leisten müssen wie alle jene, auf deren Schultern das Funktionieren unseres Gemeinwesens jetzt lastet.

Die Botschaft an die Bevölkerung ist endlich angekommen: Die Lage ist ernst. Sehr ernst. Diese Message wollten die Regierungen unbedingt vermitteln.

Die Expertinnen und Experten des Gesundheitsministeriums haben sich die unterschiedlichen Strategien der einzelnen Länder angesehen und festgestellt: Die Corona-Krise war in Taiwan und vor allem Singapur – obwohl geografisch viel näher an China – ein viel geringeres Problem als in Europa. Die Erfolge dieser Länder im Kampf gegen Covid-19 gehen vor allem auf Handhygiene, Quarantäne von Erkrankten und "Social Distancing" zurück. Also auf Vermeiden der Virus-Übertragung, indem man Menschen dazu anhält, Distanz zu wahren und größere Menschenansammlungen zu meiden.

In vielen Ländern Asiens gab seit 2003 Erfahrungen mit SARS. Damals sorgte eine SARS-Epidemie in der chinesischen Provinz Guangdong, Hongkong, Taiwan, Singapur und Vietnam für Angst und Schrecken. Dort wurde seither die Pandemie-Gefahr stets viel ernster genommen, als in den USA oder Europa. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte seit Jahren davor, dass eines Tages eine tödliche Grippewelle oder ein SARS-Virus droht.

Nun ist es soweit und Länder wie Österreich müssen im Schnelldurchgang das erlernen, worauf man zum Beispiel Singapur seit Jahren vorbereitet ist. Man kann auch davon ausgehen, dass bei den Bürgerinnen und Bürgern hängenbleiben wird, dass es vernünftig ist, sich Vorräte anzulegen, dass eine Mundschutz-Maske und Latex-Handschuhe genauso in jede Hausapotheke gehören wie ein Fieberthermometer. All diese Erfahrungen werden in jedem Fall für die Zukunft nützlich sein, denn eine immer stärker vernetzte Welt bedeutet auch, dass Risiken und Gefahren nicht auf einen Ort beschränkt bleiben.

Allen Experten war bewusst, dass das Corona-Virus SARS-CoV-2, das Ende Dezember 2019 in Wuhan seinen Ausgang genommen hat, eine globale Bedrohung darstellt. Leider hat man viel zu spät gehandelt und muss jetzt mit drakonischen Maßnahmen reagieren.

Leider ist die internationale Kooperationsbereitschaft – ähnlich wie bei anderen regionalen (Flüchtlingskrise) und globalen (Klimakrise) Krisen – auf einem Nullpunkt. Doch wo es an der Kooperationsbereitschaft in der Politik fehlt, gibt es diese glücklicherweise bei Expertinnen und Experten. Die Schnelligkeit und Dynamik der Globalisierung war das ideale Vehikel für das tödliche SARS-CoV-2-Virus, die globale Gemeinschaft von Zellbiologinnen, Physiologen, Immunologinnen, Virologeninnen, Epidemiologen und Pharmakologinnen wird das Virus besiegen. Zur Zeit läuft eine Reihe von klinischen Tests mit erfolgversprechenden Präparaten und Impfstoffen. Sobald die Frohbotschaft eines wirksamen Medikaments verkündet werden kann, wird die globale Panik abebben und ein erstes Vortasten in eine neue Normalität möglich.

Soweit die gute Nachricht. Die Schlechte: Es wird übler, bevor es besser wird. Denn die Gesundheitssyteme einzelner Länder werden einem nie gekannten Stresstest unterzogen. So manches Land wird diese Bewährungsprobe nicht bestehen. Womit wir wieder am Anfang dieses Textes wären: Die Disziplin jedes einzelnen ist nun gefordert – nicht nur aus Rücksichtnahme auf die eigene Gesundheit, sondern aus Rücksichtnahme auf die Gesundheit der Nachbarn, Freunde, Verwandten und auch auf die Gesundheit und das Wohlergehen von Ärztinnen und Pflegern. Dieser Berufsgruppe stehen schlimme Wochen bevor. Jeder einzelne kann einen Beitrag leisten, dass es in Österreich weniger schlimm wird, wie befürchtet – damit die nur schwer akzeptablen, aber leider höchst notwendigen – Einschränkungen von Grund- und Freiheitsrechten möglichst rasch wieder aufgehoben werden können.