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Costa Rica: Kandidaten der Mitte rittern um Präsidentenamt

Von Franz Smets

Politik

Moderate Linke liegt laut Umfragen knapp voran. | Kaum programmatische Differenzen. | San José. (dpa) In Costa Rica wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt, ein hör- und spürbarer Wahlkampf kam allerdings erst in den letzten beiden Wochen mit Fernsehduellen der Spitzenkandidaten in Gang. Die Bewerber, die den scheidenden Amtsinhaber Oscar Arias beerben wollen, unterscheiden sich nur wenig in ihren Programmen und gruppieren sich alle um die politische Mitte. Ein Schwenk nach links in das Lager der Länder Lateinamerikas, die unter der Führung Venezuelas den Sozialismus anstreben, ist deshalb nicht zu erwarten.


Der künftige Präsident ist möglicherweise eine Präsidentin. Und das ist wohl das Auffälligste dieser Wahl: Die sozialdemokratisch orientierte Regierungspartei von Arias, die Partei der Nationalen Befreiung (PLN), hat dieses Mal eine Frau ins Rennen geschickt.

Laura Chinchillacontra Otto Guevara

Laura Chinchilla (50) führte die Umfragen lange Zeit klar an. "Ich bin die beste Alternative für Costa Rica", pflegt sie selbstbewusst Fragen zu beantworten. Doch der 49-jährige Rechtsanwalt Otto Guevara, der dem rechten Zentrum zugeordnet wird, ist ihr dicht auf den Fersen und hat Umfragen zufolge in den vergangenen Wochen aufgeholt.

An dritter Stelle liegt der Ökonom Ottón Solís (55) von der Partei der Bürger-Aktion (Partido Acción Ciudadana, PAC). Solis hatte die Präsidentenwahlen vor vier Jahren nur knapp gegen Arias verloren.

Damals war das kleine mittelamerikanische Land mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern gespalten in Befürworter und Gegner des Freihandelsabkommens mit den USA. Dieses Mal spielt das Thema keine Rolle, obwohl Solís vor zwei Wochen versuchte, es auf die Tagesordnung zu setzen. Seine Chancen haben sich dadurch nicht verbessert. Der vierte Kandidat, der christsoziale Politiker Luis Fishman, hat sich vor allem als "kleinstes Übel" ins Gespräch gebracht.

Wichtigstes Thema des Wahlkampfes und zunehmend bedrohliches Problem ist die Frage der Sicherheit, die seit geraumer Zeit auch Costa Rica zu schaffen macht. Wegen seines inneren Friedens und seiner politischen Stabilität genoss das Land lange den Ruf einer "Schweiz Mittelamerikas". Doch 2009 wurden fast 1000 Menschen ermordet, so viele wie nie zuvor in einem Jahr.

Die Kandidaten haben dazu mehr oder weniger eine Meinung, nämlich die, dass die organisierte Kriminalität mit harter Hand zu bekämpfen sei. Ein Konzept, das nirgendwo in der Region zu brauchbaren Resultaten geführt hat.

Chinchilla sagte auf Anfrage, sie werde als Präsidentin als erstes Gewaltverbrechen konsequenter verfolgen, die Polizei stärken und den Rauschgifthandel zwischen Süd- und Nordamerika bekämpfen. Costa Rica gilt aber immer noch als das sicherste Land der Region, das stolz darauf ist, keine Streitkräfte zu benötigen. Es lebt längst nicht mehr allein vom Export von Ananas und Bananen, sondern hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem den Tourismus und die Industrie zu einem beachtlichen Wirtschaftszweig ausgebaut. Dank einer Intel-Fabrik exportiert Costa Rica in großem Umfang Mikrochips.

Neben dem Präsidenten werden die 2,8 Millionen Wahlberechtigten am Sonntag auch dessen beide Stellvertreter, das Parlament und 81 Bürgermeister wählen. Der Wahlsieger wird am 8. Mai das Amt des Staatspräsidenten als Nachfolger von Oscar Arias antreten. Arias hat bereits in den 1980er Jahren als Vermittler zur Beilegung der Konflikte in den Nachbarländern beigetragen und dafür 1987 den Friedensnobelpreis erhalten.