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Courage hinterm Schleier

Von WZ Online/rie

Politik

Hissa Hilal ließ bei arabischer TV-Show mit gesellschaftskritschen Gedichten aufhorchen. | Sie ist sozusagen die Christina Stürmer Arabiens. Nicht gewonnen, und trotzdem der große Star. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit zwischen dem österreichischen Pop-Sternchen und Hissa Hilal.


Hilal hat es als erste Frau ins Finale des TV-Poeten-Wettbewerbs "Dichter für Millionen" geschafft. In der Show, die auf Abu Dhabi TV ausgestrahlt wird und sich im arabischen Raum großer Beliebtheit erfreut, tragen Hobby-Poeten eigens gereimte Gedichte vor, um diese dann von einer Fachjury und Millionen von Zuschauern bewerten zu lassen. Der Sieger wird mit einem Preisgeld von einer Million Dollar bedacht. Erst kürzlich ging die vierte Staffel der Show, die gerne mit dem US-Gesangscastingformat "American Idol" verglichen wird, zu Ende. Gewonnen hat der 30-jährige Nasser al-Ajami. Hissa Hilal wurde Dritte. Die 43-jährige Hausfrau aus dem erz-konservativen Saudi-Arabien hat es dennoch zu weit größerer Berühmtheit als der Sieger geschafft. Zwar versteckte Hilal ihr Gesicht bei ihren Auftritten hinter einem Schleier, sie hielt aber nicht mit mutiger Gesellschaftskritik hinterm Berg. Bereits mit ihrem ersten Auftritt sorgte sie mit dem "Gedicht gegen den Extremismus" für Aufsehen.

"Es erfordert großen Mut, dieses Gedicht vorzutragen", schickte Hilal ihrem Vortrag voraus. In diesem prangerte sie dann Gesetze in Saudi-Arabien an, die die Trennung der Geschlechter befehlen und sie kritisiert Fatwas (islamische Rechtsgutachten), die Menschen mit dem Tode drohen würden. Mit dem Tod wurde danach auch Hissa Hilal gedroht. Die Dichterin weiß nicht, von wem die Drohungen stammen, ist sich aber bewusst, dass man automatisch ein Feindbild sei, wenn man so schreibe wie sie.

Trotz der Drohungen ließ Hilal ihrem ersten Auftritt weitere kritische Vorträge folgen. Das Publikum liebte sie dafür ebenso wie die Jury. Internationale Medien rissen sich um die mutige Frau hinter dem Schleier. Hilals Finalbeitrag war dann weniger kontrovers, vielleicht ist sie deshalb nur Dritte geworden, vielleicht aber auch wegen ihrer Gesellschaftskritik. Der Ruhm ist Hilal, die den Gesichtsschleier aus Respekt vor ihrem Mann trägt, jedenfalls dennoch sicher. Für den ersten Gedichtband hat sich bereits ein Verleger gefunden.