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Covid-Impfstoffkandidat aus Oxford liefert positive Ergebnisse

Von Eva Stanzl

Wissen

Vakzin der britischen Universität Oxford und des Pharmakonzerns Astra Zeneca löst umfassende Immunantwort aus.


Ein Impfstoff-Kandidat gegen das Coronavirus, an dem die britische Universität Oxford gemeinsam mit dem Pharmakonzern Astra Zeneca arbeitet, zeigt nach Angaben der Forscher erste vielversprechende Ergebnisse in frühen Tests am Menschen. Das Vakzin mit dem unaussprechlichen Namen ChAdOx1 nCoV-19 habe bei 90 Prozent von 1077 Testpersonen die Konzentration der neutralisierenden Antikörper und der T-Zellen im Blut nach nur einer Dosis erhöht. Das berichteten die Studienautoren am Montagnachmittag im Fachjournal "The Lancet". "Wir sehen eine gute Immunantwort", betonte Adrian Hill von der Universität Oxford: "Der Impfstoffkandidat ruft beide Flanken des Immunsystems auf den Plan."

Antikörper sind kleine Proteine des Immunsystems, die an der Viren-Oberfläche anhaften. Neutralisierende Antikörper können Erreger wie Sars-CoV-2 blockieren und ausschalten. T-Zellen sind weiße Blutzellen, die das Immunsystem mitsteuern. Sie schlagen Alarm, wenn sie befallene Zellen spotten und zerstören das Virus. Fast alle Impfungen rufen beide Immun-Reaktionen auf den Plan. Obwohl eine umfassende Immunantwort als wichtiger Schritt in der frühen Testphase gilt, ist sie keine Garantie dafür, dass die Impfung funktioniert. Zuvor hatten Tier-Studien eine Immunreaktion durch ChAdOx1 nCoV-19 nachgewiesen. In der nächsten Phase solle der Oxford-Impfstoff an 10.000 Personen auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit getestet werden.

Pandemie beenden

Eine Impfung gegen Sars-CoV-2 gilt als entscheidend, um die Pandemie zu beenden. Seit ihrem Ausbruch Ende 2019 hat die Lungenkrankheit Covid-19 600.000 Menschenleben gefordert. Pharmafirmen und Staaten arbeiten mit Hochdruck an einer lmpfung. Mehr als 160 Firmen liefern sich ein Rennen, etwa ein Dutzend testen Substanzen am Menschen.

Positive Ergebnisse hatte vergangene Woche auch der US-Biotechkonzern Moderna geliefert. Ein Impfstoff-Kandidat hat sich in einer frühen klinischen Studie als sicher erwiesen und eine Immunantwort bei allen 45 Testpersonen im Alter zwischen 18 und 55 Jahren hervorgerufen. Schon am 27. Juli will Moderna die entscheidende Wirksamkeitsstudie mit 30.000 Teilnehmern in den USA starten.

Während das Vakzin des US-Konzerns über Boten-RNA dem Körper einen Bauplan zur Virus-Bekämpfung liefert, hat das britische Team einen Erreger, das bei Schimpansen eine Erkältung auslöst, genetisch modifiziert. Die Veränderungen bewirken, dass das tierische Schnupfen-Virus dem Sars-CoV-2 mit seinem charakteristischen Spike-Protein sehr ähnlich sieht. Das hat zur Folge, dass das Immunsystem die Viren-Bekämpfung an ihm übt.

"Im Moment sind mehr als 20 Impfstoffkandidaten in klinischen Studien", sagte am Montag Soumya Swaminathan, die Chefwissenschafterin der Weltgesundheitsorganisation. "Deshalb sind wir zuversichtlich, dass ein paar von ihnen funktionieren werden." Anfang 2021 könnten erste Ergebnisse vorliegen. Nach der Massenproduktion der Impfstoffe könnte es daraufhin Mitte 2021 einen Impfstoff geben, der auf breiter Basis eingesetzt wird.